Montag, 5. Mai 2008

Rigjé Lhamo

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Wongdze Dakini, Kurukulla, the Magnetising-Dakini

Out of the grace of all the Buddhas' pure awareness and compassion,
You arise as the Fascinating Goddess in bliss and emptiness,
Controlling with your charm all coming and going in the three realms:
Homage to Wongdze Dakini.



Homage, Mother, filling all regions, sky, and the realm of desire
With the sound of TUTTARA and HUNG,
Trampling the seven worlds with her feet,
Able to summon all before her.

Samstag, 3. Mai 2008

Dieses Weblog...

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Donnerstag, 1. Mai 2008

Traditionelle Tibetische Medizin (TTM)

© Oliver Ohanecian

Ein kurzer geschichtlicher Überblick

Die traditionelle tibetische Medizin (TTM) gehört zu den großen, alten Medizinsystemen Asiens, neben der traditionellen chinesischen Medizin und dem indischen Ayurveda. Sie ist ein einzigartiges Heilsystem und eine der ältesten noch lebendigen Heiltraditionen der Welt. Die Wurzeln dieses Heilsystems reichen weit zurück in Tibets vorbuddhistische Geschichte und den Schamanismus des sogenannten alten Bön .

Der tibetische Terminus Bön bedeutet „rezitieren von Mantras“ und wurde in alten Texten auch durch das Verb gyer ersetzt, was als „anrufen“ übersetzt wird. Die im Bön überlieferten Medizinlehren befassen sich neben Kräutern, Astrologie u.ä. auch mit ritualistischen Heilungen, in denen der Heiler zwischen Götter- und Dämonenwelten und dem Kranken vermittelt, um so eine verloren gegangene Harmonie wieder herzustellen. Dabei spielt die Anwendung von Mantras eine wichtige Rolle. Mantras gelten als Aspekte der Wirklichkeit in Form von Klang und dienen der Austreibung von Krankheiten und Negativitäten, wie auch dem Vorgehen gegen jene, die solche Krankheiten hervorrufen. Vor allem den Anhängern des Bön, den Bönpos, und den Angehörigen der alten Schule des tibetischen Buddhismus, den Nyingmapas, sagt man bis heute den intensiven Gebrauch von Mantras nach. Als im Jahre 1717 unserer Zeit die Stämme der Zungar-Mongolen in Tibet einfielen, mussten daher Tibeter bei Treffen mit den mongolischen Anführern ihre Zungen herausstrecken. Sie mussten auf diese Weise demonstrieren, dass sie weder Bönpos waren, noch Nyingmapas, deren Zungen sich, so glaubte man, durch das unablässige Rezitieren von Mantras schwarz oder dunkelbraun färbten.

Für die Zeit des alten Bön wird von einer Vielzahl ritueller Praktiken berichtet, etwa das Dü Bön, bei dem man sich die Kräfte von Dämonen (Dü) nutzbar machen wollte, das Tsän Bön, der Kult der Tsän (eine Klasse schädlicher Wesen), oder auch verschiedene andere Kultformen, die sich der Praxis der Tieropfer bedienten. Zu irgendeinem Zeitpunkt – Bön-Quellen sprechen von 15 000 Jahren vor Beginn unserer Zeitrechnung, während Historiker auf etwa 2000 oder ca. 500 v.Chr. datieren - der tibetischen Geschichte erfolgte durch den erleuchteten Lehrer Shenrab Miwo im antiken Reich Zhang Zhung die Lehre eines erneuerten Bön. Der von ihm reformierte und systematisierte Bön wird als Yungdrung Bön bezeichnet. Yungdrung bedeutet Swastika, das Hakenkreuz, das etwas Ewiges und Unzerstörbares repräsentiert, dementsprechend ist auch vom Ewigen Bön die Rede. Shenrab Miwo wird als erleuchteter Buddha bezeichnet, der den Menschen mit dem Yungdrung Bön ein umfassendes System zur Schulung von Ethik und Weisheit vermachte . Grausame Opfer wurden dort durch Substitutionsriten ersetzt und die Praxis auf die Basis einer ethisch-philosophischen Ausbildung gestellt. Dieser Bön ähnelt sehr stark der alten Schule des tibetischen Buddhismus, Nyingma, weshalb heutzutage bisweilen auch von einem Bön-Buddhismus die Rede ist. Tatsächlich fand zwischen der Nyingma-Schule und dem Bön durch die Jahrhunderte ein reger Austausch statt, woraus im 14. Jahrhundert der sogenannte Neue Bön hervorging, der eine Synthese zwischen den Nyingma- und Bön-Lehren darstellt.

Die Bönpos kannten die medizinischen Kräfte des Heilpflanzenschatzes der tibetischen Hochebene, ein systematisiertes medizinisches Wissen scheint aber nur ansatzweise existiert zu haben. Medizinische Böntexte, die nach der Einführung des Buddhismus verfasst wurden, weisen bereits einen ayurvedischen Einfluss auf. Das Standardwerk des medizinischen Wissens der Bön-Überlieferung, ein Werk mit dem Titel „Die 400 000 Wege der Heilkunst“, wird zurückgeführt auf den Sohn Shenrab Miwos. 1993 wurden im Westen Tibets in der Region Ngari, der Gegend, in der das antike Reich Zhang Zhung lag, Steine mit Gravuren einiger Worte der Zhang Zhung-Sprache gefunden. Dies könnte darauf hindeuten, dass in dieser Region tatsächlich bereits in vorchristlicher Zeit eine Schriftsprache existierte .

Ab dem 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung gab es historischen Berichten zufolge einen Austausch zwischen indischen und tibetischen Ärzten. Die Übermittlung des Heilwissens geschah ursprünglich innerhalb einer Familienlinie, in der Regel vom Vater auf den Sohn. Die erste dieser Familientraditionen von Ärzten wurde zwischen dem 2. und dem 5. Jahrhundert gegründet .

Einen absoluten Wendepunkt in der Geschichte und Kultur Tibets stellte die Einführung des Buddhismus dar. Sie wurde im 7. Jahrhundert unter der Herrschaft des 32. Königs Songtsen Gampo (617 - 650) eingeleitet, der das erste und letzte tibetische Großreich gegründet hatte. Songtsen Gampo war mit zwei Frauen verheiratet, einer nepalesischen und einer chinesischen Prinzessin, beide Buddhistinnen. Er konvertierte zum Buddhismus und ließ den ersten buddhistischen Tempel errichten. Unter seiner Ägide setzte ein reger Austausch der Kulturen zwischen Tibet, Indien und China ein. Zu dieser Zeit wurde durch den Gelehrten Thomi Sambhota eine tibetische Schriftsprache entwickelt und der indische Arzt Dharmakosha übersetzte gemeinsam mit dem chinesischen Arzt Hashang Mahadeva medizinische Texte ins Tibetische. Ein für die weitere Entwicklung der tibetischen Medizin sehr wichtiges Ereignis war zudem das Treffen der drei großen Ärzte Bara Datsa aus Indien, Hen Wong Hong aus China und Galeno aus Persien. Sie fassten ihre Erfahrungen unter dem Titel „Die Waffe der Unbesiegbarkeit“ zusammen, ein Werk, das leider im Laufe der Zeit verloren ging. Galenos Name legt nahe, dass er die altgriechisch-persische Medizin verkörperte, die durch ihn nach Tibet gelangte. Galeno blieb als Leibarzt des Königs in Tibet und gründete eine große Familiendynastie der tibetischen Medizingeschichte mit dem Namen „Tsoru“ .

Auch unter dem 37. König Me Ok-Tsom (698 – 755) wurden Ärzte aus Indien, Persien und China nach Tibet eingeladen. Aus ihrer Zusammenarbeit mit dem bedeutenden tibetischen Arzt Chunpo Tsitsi entstand ein medizinisches Werk mit dem Namen Soma Ratsa (Mond König). Auch in diesem Fall wurde durch den Persischen Arzt eine Familienlinie gegründet, die als „Bichi-Linie“ bekannt ist .

Unter der Herrschaft des 38. Königs Trisong Detsen (742 – 796) wurde der Buddhismus Staatsreligion. Der König lud den tantrischen Meister Padmasambhava nach Tibet ein, durch dessen Wirken sich der Vajrayana-Buddhismus durchsetzte. Padmasambhava war berühmt für seine Meisterschaft aller tantrischen Disziplinen, darunter auch die tantrische Medizin, und wird als zweiter Buddha verehrt . Unter anderem verfasste er auch medizinische Texte, die in Tibet aufbewahrt wurden, und gab Prophezeiungen über künftige neue Krankheiten und mit welchen Mitteln und Meditationen sie geheilt oder verhindert werden könnten. Diese Unterweisungen versteckte er dann zum Wohle zukünftiger Generationen an unterschiedlichen Orten, wo sie bei Bedarf und zu ihrer Zeit von geeigneten „Schatzfindern“ (tib. Terton) hervorgeholt werden sollten. Diese Tradition der kurzen Linie der Lehrübermittlung von Padmasambhava auf Schüler in späteren Jahrhunderten wird als Terma bezeichnet, im Gegensatz zu Kama, der kontinuierlichen Lehrüberlieferung vom Lehrer auf den Schüler durch die Jahrhunderte hinweg . Die Schatztexte bilden insbesondere in der Nyingma-Schule eine eigene Literaturgattung. Padmasambhava verankerte den Buddhismus in Tibet, erbaute Tibets erstes Kloster, weihte den König und andere in die tantrischen Lehren ein und prophezeite, dass der Buddhadharma nach Jahrhunderten der Blüte in Tibet schließlich nach Westen gelangen würde .

Im Jahr 762 wurde die erste medizinische Hochschule gegründet. Ihre Leitung oblag Vairocana, einem berühmten Übersetzer und Schüler Padmasambhavas. Die Hochschule wurde an der Grenze der osttibetischen Region Kham errichtet und nach ihrer Eröffnung durchliefen zunächst dreihundert Studenten das zehnjährige Studium. Nach Abschluss des ersten Lehrzyklus begann der zweite bereits mit tausend Studenten. In der Folge wurde die Hochschule zu einem Zentrum für Forschung und Studium. Und aufgrund der königlichen Vorliebe für Pferde wurde auch eine Veterinärmedizin eingeführt. Vermutlich erfolgte zu dieser Zeit eine Integration der medizinischen Bön-Lehren durch Vairocana in Zusammenarbeit mit dem tibetischen Arzt Yuthok Yönten Gonpo dem Älteren .

Yuthok Yönten Gonpo war der erste in der Liste der Arzt-Heiligen Tibets. Etwa 762 berief der König eine Art internationale Konferenz über tibetische Medizin ein, zu der neun Ärzte aus China, der Mongolei, Nepal, Turkistan, Persien, Indien, Kaschmir, Sinkiang und Afghanistan eingeladen wurden. Yuthok nahm als Vertreter Tibets an dieser Konferenz teil. Alle Ärzte übersetzten Texte aus ihren jeweiligen Traditionen und es gab einen Disput, aus dem, der tibetischen Überlieferung zufolge, Yuthok als Sieger hervorging. Um das tibetische System mit dem indischen zu vergleichen, reiste er dreimal nach Indien und besuchte die Zentren der buddhistischen Gelehrsamkeit, wie die Klosteruniversität Nalanda. Er wird auch mit dem wichtigsten Text der tibetischen Medizingeschichte in Verbindung gebracht, den Vier Tantras der Medizin, auf tibetisch Gyüshi. Seine genaue Rolle in Bezug auf diesen Text ist unklar. Er soll ein Sanskrit-Original dieses Tantras studiert, es dann übersetzt und kommentiert haben. Das Gyüshi wurde dann in einer der Säulen des Samye-Klosters verborgen, damit es von einem späteren geeigneten Menschen wieder entdeckt werden konnte und so der Menschheit erhalten blieb. Somit ist dieser wichtigste Medizin-Text der Termatradition zuzurechen .

Im zwölften Jahrhundert lebte Yuthok Yönten Gonpo der Jüngere. Er war ein Nachkomme Yuthok des Älteren und von ähnlich herausragender Bedeutung für die tibetische Medizingeschichte, wie sein Vorgänger. Zu der Zeit seines Wirkens war das Gyüshi bereits im Kloster Samye wieder aufgefunden worden, so dass er mit dessen Lehren vertraut war. Sechsmal reiste er außerdem nach Indien, einmal sogar nach Ceylon, um die dortigen Versionen des Gyüshi kennen zu lernen und zu vergleichen. Anschließend schrieb er eine Neufassung und einen Kommentar mit dem Titel „Die achtzehn zusätzlichen Hilfsmittel“, der gleichzeitig eine Einführung in die Geschichte der Medizin war. Seine Bearbeitung des Gyüshi blieb die Standartfassung dieses Textes .

Im 14. Jahrhundert gab es zwei berühmte Ärzte, die schrieben und lehrten. Jangpa und Zurkarpa wurden die Begründer zweier konkurrierender medizinischer Systeme, bekannt als Janglu und Zurlu. Im 17. Jahrhundert machten sich in diesen Systemen Verfallserscheinungen bemerkbar, weshalb der 5. Dalai Lama die Gründung einer neuen Hochschule verfügte. So erfolgte auf dem so genannten Eisenberg bei Lhasa der Aufbau der Chagpori-Hochschule. 1754 folgte die Gründung der Palpung-Hochschule, an der die Fünf Zweige des Wissens gelehrt wurden, nämlich Astrologie, Medizin, Mathematik, Poesie und Linguistik. Palpung avancierte schnell zu einer der führenden Hochschulen Tibets .

Der 13. Dalai Lama gründete 1916 eine weitere Hochschule in der Hauptstadt Lhasa, den Men-Tsee-Khang. Nach der Flucht des 14. Dalai Lama ins indische Exil wurde der Men-Tsee-Khang als ein „Tibetisches Institut für Medizin und Astrologie“ im nordindischen Sitz der Exil-Regierung, Dharamsala, neu errichtet. Das Institut bildet heutzutage Ärzte aus, hat ein angegliedertes Hospital und stellt die traditionellen Arzneimischungen her .

Das ehrwürdige Chagpori-Institut wurde in Darjeeling unter der Leitung des Lamas und Arztes Dr. Trogawa Rinpoche neu gegründet und bildet heute ebenfalls wieder Ärzte aus.

Seit wenigen Jahren existiert auch eine internationale Akademie für traditionelle tibetische Medizin, die von dem jungen Arzt Dr. Nida Chenagtsang gegründet wurde und in mehreren europäischen Ländern, Kanada, Australien, der Mongolei und auch in Tibet selbst eine Ausbildung in Teilaspekten oder auch der vollständigen traditionellen Medizin anbietet. Diese Möglichkeit wird vorwiegend von Ärzten und Heilpraktikern wahrgenommen .


Der mythische Hintergrund

Der buddhistischen Überlieferung zufolge liegt, unabhängig von historischen Entwicklungen und Persönlichkeiten, der eigentliche Ursprung allen Heilwissens im Buddha selbst. Heil und Heilung sind in der tibetischen Medizin aufs Engste miteinander verwoben. Der buddhistischen Legende zufolge liegt der Ort der Offenbarung allen Heilwissens in Tanatuk, dem Paradies der Heilung. Dort erschien der historische Buddha Shakyamuni in Gestalt des Vaidurya, des dunkelblau strahlenden heilenden Buddhas, um das Wissen vom Heilen darzulegen. Er manifestierte dort zwei Emanationen, nämlich den Geist des heilenden Buddhas, den Weisen Rigpai Yeshe, und den Weisen Yile Kye, die Verkörperung der Rede des heilenden Buddhas. Die im Tantra der Heilung, dem Gyüshi, aufgezeichnete Lehre über die Ursachen und Behandlungsweisen von Krankheiten ist gekleidet in die Form eines langen Dialoges zwischen diesen Emanationen des Buddhas .

Unter den Zuhörern befanden sich Gottheiten, Rishis , Buddhisten und Nicht-Buddhisten. Sie alle verstanden so viel, wie es ihrem jeweiligen Fassungsvermögen entsprach, und verfassten dementsprechende verschiedene Abhandlungen über das, was sie gehört hatten. Allein Yile Kye verstand alles und schrieb die vollständige Lehre vom Heilen in 5900 Versen mit einer Tusche aus Lapislazuli auf Blättern nieder, die aus reinem Gold bestanden. Diese Schrift wurde dann von den Dakinis im mythischen Land aufbewahrt und gehütet .


Gyüshi – die vier Tantras der Medizin

Die Vier Tantras, das Gyüshi, gelten als Essenz der tibetischen Medizin . Es heißt, sie enthalten in verdichteter Form das gesamte medizinische Wissen Tibets und haben ihren Ursprung im Buddha selbst. Somit ist das Gyüshi mehr, als einfach nur ein Lehrtext über das Heilen. Vielmehr haben die Vier Tantras und die Fähigkeit des Heilens eine zutiefst sakrale Qualität und sind im Heil verankert. Heilung strebt in letzter Konsequenz mehr an, als lediglich die Beseitigung von Krankheitssymptomen. Der größte Arzt ist der Buddha selbst, daher liegt Heilung im höchsten Sinne in der Erlangung des Zustandes der Buddhaschaft.



1. Das Grund- oder Wurzeltantra
Im Wurzeltantra werden die Bestandteile des Körpers und der kranke Körper in Gestalt eines Baumes dargestellt. Aus der Wurzel gehen zwei Stämme hervor, der Stamm des gesunden Körpers und der Stamm des kranken Körpers. Dem Stamm des gesunden Körpers sind drei Zweige zugeordnet:
1. die Körpersäfte (Energien)
2. die Grundstoffe, aus denen der Körper besteht
3. die Ausscheidungen

Aus dem Stamm des kranken Körpers gehen neun Zweige hervor:
1. die Ursachen von Krankheit
2. Bedingungen für Krankheit
3. Einfallstore von Krankheit
4. die Orte, an denen sich Krankheiten manifestieren (Körperteile)
5. die Zirkulationswege
6. das Entstehen von Krankheiten
7. die tödlichen Wirkungen
8. die Nebenwirkungen
9. eine Zusammenfassung

Die Krankheiten werden im Wurzeltantra in vier Gruppen geordnet:
1. Kinderkrankheiten
2. Krankheiten der Erwachsenen
3. Frauenkrankheiten
4. Alterskrankheiten

Außerdem beschreibt es die Organe des Körpers und stellt die Lehre der drei Körpersäfte, die Diagnosemethoden und die allgemeinen Behandlungsgrundlagen dar.

2. Das erklärende Tantra
Der zweite Teil des Gyüshi besteht aus 31 Kapiteln, die nacheinander die Phasen des menschlichen Lebens beschreiben: Geburt, Entwicklung, Reifung, Altern, Tod und Wiedergeburt. Das Leben wird unterteilt in drei große Abschnitte: Von der Geburt bis zum 16. Lebensjahr, von 16-50, von 50 bis zu Alter und Tod. Es enthält:
- Embryologie (mit Empfängnis und Schwangerschaft)
- Anatomie und Physiologie
- Erläuterungen zur Rolle der drei Körpersäfte
- die 2000 Heilmittel, die das Gleichgewicht wieder herstellen können
- Diät, Menge und Art der Nahrung, sowie zu vermeidende Speisen.

Krankheiten werden unterteilt in Geisteskrankheiten und somatische Erkrankungen, geordnet nach ihrem Sitz. Es werden auch Krankheiten durch Vergiftungen erörtert, sowie Umweltkrankheiten . Außerdem ist ein Kapitel über Sexual- und Körperhygiene enthalten, sowie eines über ethische Normen.

3. Das Tantra der mündlichen Tradition
Der dritte Teil besteht aus 52 Kapiteln, in denen alle bekannten Krankheiten nach ihrer Beziehung zum Ungleichgewicht der drei Säfte behandelt werden. Es ist unterteilt in:
- Ätiologie
- Pathologie
- Therapie
- Analyse der Krankheit in Bezug auf geschichtliche Epochen

Außerdem werden in einem eigenen Kapitel die Beziehungen der tibetischen Medizin zum Buddhismus geschildert.

4. Das Folge-Tantra
Das vierte Tantra ist ausführlich den therapeutischen Methoden gewidmet:
- Urin-Diagnose
- Puls-Diagnose
- Chinesische Techniken: Moxa, Akupunktur
- Methoden der Entfernung von Giften (z.B. Erbrechen)
- Verschiedene Methoden: - einfache (Umschläge, warme und kalte Kompressen)
- drastische (Chirurgie und Aderlass)
- Auf- und Zubereitung der Heilmittel

Darüber hinaus werden elf Grundprinzipien aufgelistet:
1. Synthese der Grundelemente
2. Existenz des Körpers und seine Umwandlungen
3. Entstehen und Abklingen von Krankheiten
4. Verhalten
5. Ernährung
6. Heilmittelpräparate
7. Gebrauch der medizinischen Instrumente
8. Immunität gegen normale Krankheiten
9. Diagnose
10. Heilmethoden
11. Verhalten des Arztes


Das Yuthok Nyingthig

Das Idealbild eines Arztes ist in Yuthok dem Jüngeren dargestellt. Der Begriff „Arzt“ ist hierbei nicht allein eine Berufsbezeichnung, sondern hat außerdem eine tiefgehende spirituelle Bedeutung. Der ideale Arzt beseitigt nicht allein die Symptome einer Krankheit, sondern er ist eine Verkörperung des Heiligen, eine Emanation des Buddhas . So repräsentiert Yuthok Yönten Gonpo der Jüngere die spirituelle Dimension der tibetischen Medizin. Auf ihn werden „zwei Juwelen“ zurückgeführt, nämlich die revidierte Fassung des Gyüshi und das Yuthok Nyingthig, eine wichtige Sammlung spiritueller Praktiken für Ärzte und Heilkundige der traditionellen tibetischen Medizin. Die wörtliche Bedeutung von Yuthok Nyingthig ist „Die Herzessenz [der Lehren] von Yuthok“. Das Ziel der in diesem Zyklus gesammelten spirituellen Praktiken besteht darin, die Praktizierenden zu einer Erfahrung der Einheit von Medizin und Spiritualität zu führen. Diese Erfahrung gipfelt in der Verwirklichung einer harmonischen Integration von Körper, Geist und Energie in die subtilste Form der fünf Elemente, aus denen die Erscheinungswelt besteht .

Der so genannte Wurzeltext des Yuthok Nyingthig gilt als die Essenz von Yuthoks spirituellen Lehren. Yuthok sah spirituelle Praktiken, Yoga und Meditation als integralen Bestandteil der Ausbildung eines jeden Arztes. Der Yuthok Nyingthig Wurzeltext enthält :

- Ngondro Praxis - vorbereitende Übungen
- vier Formen des Guru-Yoga mit Yuthok
- ein großes Kapitel über Tibetisches Medizinisches Yantra Yoga (körperliche Übungen)
- fünfzehn Kapitel über Physiologie und Pathologie (einschließlich Störungen der drei Säfte, Infektionskrankheiten, Schmerz, Trauma und Vergiftung)
- ein kompletter Zyklus von Vajrayana Praktiken
- Khyed Rim - Erzeugungsstufe (Praxis der drei Wurzeln )
- Dzog Rim - Vollendungsstufe, d.h. Sechs Yogas, bestehend aus Tummo , Gyulus -, Klares Licht -, Bardo -, Powa - und Traumpraxis
- Dzogchen - Die Praxis der Großen Vollendung
- Man Drub - Heil- und Schutzmantras
- die Praxis der Schützergottheiten des Heilwissens
- Unterweisung in einer speziellen Form der Pulsdiagnose. Hierfür geht der Praktizierende für einen Monat ins Retreat, um Übungen auszuführen, die ihn auf das Lesen des Patientenpulses vorbereiten.
- Die Praxis des Yuthok Nyingthig soll zur Entwicklung spezieller Fähigkeiten der Klarsicht und Hellsichtigkeit, die den Arzt befähigen, ein besserer Heiler zu sein.

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Der ideale Arzt zeichnet sich nach tibetischem Verständnis nicht allein durch seine gründlichen Kenntnisse der medizinischen Lehren und ihrer Anwendungen aus, sondern auch durch eine ausgeprägte Intuition, einen unerschütterlich klaren Geist und eine tiefgründige Erkenntnis, die über das konzeptuelle Bewusstsein und seine intellektuellen Möglichkeiten weit hinausreicht. Er ist Gelehrter, Heiler und Mystiker in einer Person. Ikonographisch wird dies im Bild des Yuthok zum Ausdruck gebracht. Er sitzt auf einem Lotos und einer Mondscheibe. Der Lotos bedeutet Reinheit, der Mond symbolisiert die Methode und das Formhafte. Seine in der Lotosposition überkreuzten Beine zeigen eine ausgeglichene Unerschütterlichkeit. Sein Kopf ist mit medizinischen Pflanzen geschmückt. Seine rechte Hand hält in der Geste höchsten Gebens, ruhend auf dem rechten Knie, was Aktivität symbolisiert, einen Lotos, auf dem sich ein Buch und ein Weisheitsschwert befinden. Dies kennzeichnet den vollkommenen Arzt als eine Person von großer Gelehrsamkeit und gut ausgebildetem Intellekt. Gleichzeitig hält er mit der linken Hand einen Lotos, der seinem Herzen entspringt. Auf ihm befinden sich eine Langlebensvase und ein Vajra. Die Langlebensvase ist ein Attribut von Amitayus, dem Bodhisattva des langen Lebens, und drückt die Fähigkeit aus, das Leben zu verlängern und die Lebensqualität zu verbessern, sowohl medizinisch, als auch spirituell. Der Vajra symbolisiert das unergründliche, unerschütterliche, unveränderliche, unteilbare und unzerstörbare Sein der absoluten Wahrheit und letzten Wirklichkeit, d.h. die Verwirklichung der Erleuchtung der Buddhaschaft .

Auf diese Gestalt des Arzt-Heiligen wird von den angehenden Ärzten Guru-Yoga geübt. Dabei wird diese Gestalt visualisiert, ihre Bedeutung vergegenwärtigt und ihr Mantra, d.h. Yuthok in Form von Klang, rezitiert. Sind die vollendeten Qualitäten des Arzt-Heiligen auf diese Weise schließlich gegenwärtig, so verschmilzt die Gestalt mit dem Meditierenden, um so ein entsprechendes Potential zur Entfaltung zu bringen: Der Meditierende wird Yuthok.

Einige allgemeine Grundlagen

Die philosophische Basis der tibetischen Medizin bildet die Lehre vom bedingten Entstehen, tibetisch Tendrel, ausformuliert in der Madhyamaka-Philosophie , die auf den indischen Philosophen und buddhistischen Heiligen Nagarjuna zurückgeht. Diese Lehre besagt im wesentlichen, dass die Wesen und Phänomene aus vielerlei Faktoren zusammengesetzt und daher ohne ein Selbst sind. Im Substanzbegriff der weit verbreiteten dualistischen Logik von Sein und Nicht-Sein wird den empirisch erscheinenden Dingen eine Eigennatur unterstellt: Die Erscheinung wird als eigenständig seiende Größe begriffen und beschrieben. Allerdings wird "Sein" in der Philosophie vom abhängigen Entstehen definiert als tatsächlich Eigennatur besitzend, dadurch unabhängig und dadurch ewig, nämlich allen Wechselfällen enthoben. "Nicht-Sein" wird hierbei dann verstanden als Ausdruck von Vernichtung.

Diesen Begriffen von "Sein" und "Nicht-Sein" stehen die empirischen Erscheinungen gegenüber, die durch ihr Entstehen und Vergehen belegen, dass sie in stetem Wandel begriffen sind, mithin also weder "Sein" noch "Nicht-Sein" auf sie zutrifft. So bildet dieses "weder - noch" die zwei weiteren Eckpfeiler dieser Lehre. So gibt es die Eckpunkte "Sein", "Nicht-Sein", "weder Sein", "noch Nicht-Sein", mit deren Hilfe die Erscheinungswelt betrachtet wird. Nach dieser Art der Betrachtung spielt sich die Welt zwischen Sein und Nicht-Sein als ein dynamischer Prozess der Bedingtheiten ab. Die Erscheinungen sind nicht, denn dann wären sie ewig; sie werden auch nicht vernichtet, denn sie besitzen eben keine Eigennatur. Sie sind ohne diese unabhängige Eigennatur, weil sie in all ihren Aspekten zusammengesetzt sind: Dinge bestehen aus Dingen bestehen aus Dingen etc. Sie sind zeitlich befristete Erscheinungen, die von fluktuierenden Daseinsfaktoren hervorgebracht werden. Diese Daseinsfaktoren bringen sich in ständiger Bewegung gegenseitig hervor. Sie werden als Dharmas bezeichnet, die zu fünf Gruppen oder Hauptkategorien gebündelt werden, den so genannten Skandhas.

Welt ist hierbei ein dynamischer Prozess unablässigen Werdens, dem kein Substrat zugrunde liegt. Das bedeutet, dass die Erscheinungen nicht sind, sondern geschehen. Dies tun sie allerdings auch nicht monolinear kausal, d.h. es gibt keine einzige und erste Ursache, sondern konditional, d.h. die einzelnen Daseinsfaktoren sind nicht alleinige Ursache, sondern Bedingung neben an deren Bedingungen.

Der Wahrheitsbegriff erfährt in dieser Sichtweise eine Teilung in relativ und absolut. Relativ sind hierbei die sprachlich fassbaren und kategorisierbaren Wahrheiten der Erscheinungswelt, die sich nach den Regeln der Logik ordnen lassen. Hier besteht ein Gewahrsein für die unzähligen möglichen Sichtweisen, Beschreibungen etc. Die Wahrheit der Naturwissenschaften steht hier gleichwertig neben den Wahrheiten der Künste, Religionen usw., sowie neben all den individuellen relativen Wahrheiten. Die letzte Wirklichkeit jedoch, also die absolute Wahrheit, liegt jenseits all der Formen des relativen Bereiches. Erfahrung der absoluten Wahrheit ist die Erfahrung der Transzendenz und Zeitlosigkeit - des Seins.

Körper-Energie-Geist bilden eine Gesamtheit aus Wirksamkeiten, die nicht getrennt von der sie umgebenden Welt sind. Sie sind zusammengesetzt aus einer Vielzahl verschiedener Phänomene und entstehen und vergehen im Zusammenspiel äußerer und innerer Faktoren. Es gehen gleichermaßen Handlungen von diesem Körper-Geist-System aus, wie auch die wahrgenommenen Dinge zu diesem Zentrum hin orientiert sind. Der innerste Kern des Individuums ist das Zentrum des von ihm wahrgenommenen Universums. Die Gesamtheit der Wirksamkeiten umfasst fünf psychophysische Bestandteile, fünf elementare Kräfte und fünf Sinnesobjekte.

Die psychophysischen Bestandteile sind
- Farbe/Form als erkenntnistheoretisches Objekt in wahrnehmbaren Situationen,
- Gefühlsurteil/Empfindung,
- Unterscheidungsfähigkeit/Begriffsbildung,
- diskursives Denken
- abstrakte Wahrnehmung/Bewusstsein.

Die fünf Elemente sind
- Erde (Festigkeit),
- Wasser (Kohäsion und Fliessen),
- Feuer (Temperatur und Licht),
- Luft (Beweglichkeit und Schnelligkeit)
- Raum (umfassende Weite)

Die fünf Sinnesobjekte sind:
- Farbe
- Klang
- Geruch
- Geschmack
- Struktur

Die individuellen Lebenswelten entstehen durch die Begegnung der Sinne mit ihren jeweiligen Sinnesobjekten. Erhalten werden sie als individuelle Lebenswelten durch wertende Unterscheidung, subjektive Standpunke, latente Neigungen, Wünsche und Emotionen, die aus diesen Faktoren resultieren und ihrerseits wiederum verstärkend auf sie einwirken.

In diesem Zusammenhang ist der Terminus Karma zu betrachten. Wörtlich bedeutet er „Tat“ und wird mit unablässigem Wind und Samenkörnern verglichen. Der buddhistischen Lehre (Dharma) zufolge ist die Vorstellung es gäbe ein „Ich“ im Sinne einer abgegrenzten Person, also ein Selbst bzw. eine Seele, bereits eine grundlegende Illusion über das Wesen der Wirklichkeit. Aus dem Zusammenspiel der Daseinsfaktoren entstehen gleichermaßen die äußere und die innere Welt. So ist das Ich oder Selbst gleichfalls ein Erzeugnis dieses Prozesses. Die Vorstellung eines eigenständig existierenden Selbst bzw. eines ewigen Persönlichkeitskernes im Sinne einer Seele wird daher verneint. Eine Ewigkeit oder Kontinuität wird allein dem subtilen Geist zugeschrieben. Die Gesetzmäßigkeit des bedingten Entstehens ergibt sich aus dem unablässigen Wandel der Welt: Jede Handlung, die aus verblendeten Willensimpulsen hervorgeht, gestaltet demnach die dynamische Welt neu, auf der materiellen wie auch auf den geistigen Ebenen, indem sie Daseinsimpulse setzt, die zu gegebener Zeit unter dem Einfluss sekundärer Ursachen, die ihnen entsprechen, zur Reife gelangen und die erlebten Wirklichkeiten formen .

So ist auch die „Wiedergeburt“ geknüpft an den Karmabegriff. Durch Karma werden die Daseinsfaktoren zu neuen Existenzen, Persönlichkeiten und Lebenswelten zusammengefügt. Dargestellt wird dies im Bild des Bhavachakra, wörtlich das „Rad des Werdens“. Es zeigt in seiner Nabe drei Symboltiere, die die so genannten Geistesgifte Gier, Hass und Unwissenheit repräsentieren: Ein Schwein (Unwissenheit), ein Hahn (Gier) und eine Schlange (Hass). Umgeben ist die Nabe von einem Ring, der in eine schwarze und eine weiße Hälfte unterteilt ist. Er stellt das Karma dar, das aus den Geistesgiften hervorgeht und zu Existenzen in verschiedenen Erlebniswelten und Daseinsbereichen führt. Es werden sechs Daseinsbereiche unterschieden, aus denen der nächste Ring zusammengesetzt ist. Den äußeren Kreis bildet dann die Kette des abhängigen Entstehens, der so genannte Konditionalnexus. Jedes seiner Glieder ist nicht alleinige Ursache (causa), sondern nur eine Bedingung (conditio) neben anderen dafür, dass das nächste Glied entsteht . Gehalten wird das Rad von einer dämonisch anmutenden Gestalt, die exoterisch und esoterisch interpretiert wird. In der exoterischen Deutung gilt die Gestalt als der Herr des Todes . Andererseits trägt sie die fünffache Schädelkrone, was die Überwindung der Ursachen Samsaras zum Ausdruck bringt, und ist auf der Stirn mit einem dritten Weisheitsauge gekennzeichnet. Beides gemeinsam bezeichnet ein überweltliches Wesen. So sehen esoterische Interpretationen in dieser Figur eine Manifestation des erleuchteten Bewusstseins, des Heiligen, das allen Erscheinungen zu Grunde liegt . Dies bedeutet, dass sich das Heilige aus allen Erscheinungen heraus offenbaren kann. Ein Unterschied zwischen heilig und profan, rein und unrein ist dann aufgehoben .

Die sechs Daseinsbereiche des Buddhismus, wie sie im Bhavachakra dargestellt sind, werden gleichermaßen psychologisch und wörtlich verstanden. So kann sich ein gewöhnliches Bewusstsein durch mentale und emotionale Zustände bewegen, die sich den sechs Daseinsbereichen zuordnen lassen. Ein menschliches Bewusstsein, das etwa der Sphäre der Halbgötter entspricht, ist gekennzeichnet durch eine Neigung zu Wettkampf und Neid, während die Sphäre der Hungergeister Geiz und Zustände eines unstillbaren und quälenden Hungers nach Erfahrungen repräsentiert; die Sphäre der Tiere steht für leidhafte Dumpfheit und die Höllen für maßlose Aggression und immer wiederkehrende, unermessliche Qualen. Die Götterwelt dagegen repräsentiert selbstgefälligen und egozentrischen Zustand tiefer Glückseligkeit. Die menschliche Sphäre versinnbildlicht einen Zustand der Begierde, aber auch des Ausgleiches von Extremen.

Neben ihrer psychologischen Bedeutung gelten die Daseinsbereiche jedoch auch als Welten, die parallel zu unserer menschlichen existieren. Und die Bereiche können positiv wie negativ aufeinander einwirken. Je unachtsamer und verblendeter ein Mensch in seinem Handeln ist, desto stärker mögen sich seine Aktivitäten negativ auf andere Daseinsbereiche auswirken. Die dort beheimateten Wesen können dadurch gestört und geschädigt werden, weshalb sie sich wiederum an den Menschen rächen, indem sie Krankheiten, Katastrophen, Kriege und ähnliches verursachen.

Allgemein ist es wichtig, das eigene Handeln unter dem Gesichtspunkt seiner karmischen Auswirkungen zu überdenken. Besonders gilt dies aber für einen Arzt. So heißt es im zweiten Tantra des Gyüshi, im Tantra der Erklärung:

„Eine Person, die Gift genommen hat, wird einen trockenen Mund verspüren, schwitzen, in Furcht erzittern, ruhelos sein und mit Schuld und Besorgnis in alle Richtungen blicken. Hat man Obengenanntes verstanden, dann sollte man sich künftig davor hüten, anderen Schaden zuzufügen.“




Die Ziele der TTM

Die TTM verfolgt zwei Ziele : Vorbeugung und Heilung.
1. Vorbeugung: Krankheit wird verstanden als ein Ungleichgewicht und diesem Zustand soll vorgebeugt werden, denn Vorbeugung hat einen höheren Stellenwert, als Heilung. Daher wird gesagt: „Selbst wenn man nicht krank ist, muss man achtsam sein“ (tib. Minawa neypar che). Vorbeugung erfolgt durch eine gute Lebensführung und eine achtsame Ernährung.
2. Heilung: Wenn es zu einem Ungleichgewicht kommt, so manifestiert sich Krankheit. Aufgabe der Medizin ist es dann, das Gleichgewicht wieder herzustellen, indem sie mit den zugrunde liegenden Ursachen und Wirkungen arbeitet. Dabei gilt das Augenmerk zunächst der Ernährung und Lebensführung des Patienten, die ggf. korrigiert werden. Darauf folgt dann die Behandlung mit Kräuterarzneien und die Anwendung äußerer Therapieformen.

Überblick über die TTM
Traditionell wird die TTM mit einem großen Garten verglichen: ein vollständiges Studium umfasst die 99 Bäume des Wissens. Der Baum ist hierbei ein Bild des Menschen, andererseits handelt es sich um eine Mindmap der medizinischen Lehren. Die Bäume werden gewissermaßen im Gehirn gepflanzt.

Der erste dieser Bäume behandelt den Zustand des Menschen und hat zwei Äste:
1. Der erste Ast beschreibt den gesunden Menschen, bei dem sich Körper, Energie und Geist in einem Zustand der Ausgewogenheit befinden. Grundsätzlich benötigt der Mensch ein energetisches Gleichgewicht. Energie ist die Verbindung zwischen Körper und Geist. Gerät die Energie aus dem Gleichgewicht, so geraten auch Körper und Geist aus dem Gleichgewicht und das führt zu einer Erkrankung. Ein gutes Gleichgewicht hingegen führt zu einem gesunden Körper, einem klaren, stabilen Geist und einem großen Maß an vitaler Energie.
2. Der zweite Ast beschreibt die Ursachen und Arten von Ungleichgewicht. In der TTM werden die negativen Ursachen in zwei Kategorien unterteilt: primär und sekundär. Primäre Ursachen entstehen aus negativen und destruktiven emotionalen Zuständen und Ansichten, wie Wut und Aggression, Lust, ungesundes Anhaften (Begierde) und Ignoranz. Sekundäre Ursachen sind lang anhaltende, sich wiederholende Faktoren wie eine falsche Ernährung und Lebensweise , die Zeit (saisonale Ursachen) und Provokationen

Der zweite Baum ist der Baum der Diagnose und hat drei Äste:
1. Die Begutachtung: Der Patient wird genau beobachtet und aus seinem Verhalten und Aussehen erste Schlüsse gezogen; Urin-Analyse (z.B. Farbe, Dampf, Bläschen, Geruch, Sedimente, Öligkeit etc.).
2. Palpation, die Tastdiagnose: Hierbei werden die verschiedenen Pulse des Patienten ertastet; es werden zwei Hauptaspekte unterschieden: Palpation zur typologischen Bestimmung und die Palpation zur Untersuchung pathologischer Zustände.
3. Die Anamnese: Der Patient wird zu verschiedenen Aspekten seiner Lebensführung, Ernährung, unterschiedlichen Sinnesempfindungen, Befindlichkeiten etc. intensiv befragt.

Der dritte Baum ist der Baum der Behandlung und hat vier, nach der Termatradition fünf Äste, wobei die Behandlung nicht allein die Symptome, sondern auch die Ursachen behandeln soll:
1. Ernährung als die beste Behandlung
2. Lebensstil (Tagesablauf, Schlafenszeiten, Vorlieben, Abneigungen etc.)
3. Medikation: Die tibetische Pharmacopea verwendet Heilpflanzen, Mineralien und in geringem Maße auch tierische Substanzen zu Heilzwecken.
4. Äußere Therapien: Massage, Akupunktur, Moxibustion, Schröpfen; außerdem als zweitrangige Therapieformen: Kräuterbäder, Aderlass, Kompressen, Stocktherapie und „mongolische Moxibustion“.
5. Die Termatradition nennt zudem als fünften Ast die Behandlung mit Heilmantras



Energie

Der Terminus “Energie” bezeichnet eine dynamische Kraft, die als Quelle aller Existenz gilt. Im Körper ist sie das psycho-physische Prinzip der Vital-Kraft. Diese Energie geht aus den fünf Elementen Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde hervor. Die Qualität des Raumes ist die Leerheit und Potentialität, aus der alle Phänomene hervorgehen. Wind hat die Qualität Bewegung, Wachstum und Entwicklung. Feuer steht für die Eigenschaften Schnelligkeit und Hitze, die zur Reifung führt. Wasser hat die Qualität des Fließens und der Kohäsion. Erde schließlich steht für Festigkeit und Stabilität .

Gemäß der tibetischen Humorallehre gehen aus diesen fünf Elementen drei “Säfte” oder inneren Energien hervor:
1. Wind (tib. Lung): Entsteht aus den Elementen Raum und Wind; ist Bewegung und Aktivität; reguliert das Denken und Sprechen; steuert das Nervensystem, die Atmung und die Ausscheidung.
2. Galle (tib. Tripa): Entsteht aus Feuer; ist heiß und reguliert die Körperwärme; weitere körperliche Funktionen: Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen, katabolische Funktionen, Hunger und Durst, Mut, Motivation und Vision.
3. Schleim (tib. Pekan): entsteht aus Erde und Wasser; ist von kalter Natur; Körperliche Funktionen: Kohäsion, Flüssigkeit, Struktureller Zusammenhang des Körpers, Körperflüssigkeiten, anabolische Funktionen, Schlaf, Geduld und Toleranz.

Wind gilt als neutral und hat die Eigenschaft, sich verstärkend auf die beiden anderen „Säfte“ auszuwirken. Galle ist heiß und Schleim ist kalt, d.h. sie wirken entgegengesetzt.

Der Körper ist gemäß der TTM und der tantrischen Lehren außerdem von einem System von 72000 feinstofflichen Kanälen (tsa) durchzogen, in dem sich die Winde oder Kräfte (lung) und Essenzen (thigle) befinden. Entlang der Körperachse vereinen sie sich zu drei großen Energiekanälen, die in der tantrischen Meditation erfahren werden können. Der rechte und der linke Energiekanal, in denen die durch Mutter und Vater vererbten weiblichen und männlichen Energien fließen, umwinden den zentralen Kanal, der für spirituelle Praktiken von überragender Bedeutung ist. Die Schnittpunkte dieser Energiekanäle werden als Chakras (khorlo) bezeichnet. Der Bestand des Körpers beruht auf den Kanälen, deren Funktion ihrerseits von den verschiedenen feinstofflichen Winden abhängt . Die Bewegung der inneren Energien ist mit dem Energiefluss und den Rhythmen der Außenwelt durch den Atem verbunden .

Das berühmte Tantra vom Rad der Zeit, Kalachakra , nennt in seiner Beschreibung der inneren Physiologie zwölf feinstoffliche Kanäle am Nabelchakra. Die Vitalenergien oder Atemzüge durchfließen die Kanäle als sechs Einatmungen und sechs Ausatmungen je abwechselnd zur linken und zur rechten Seite des Zentralkanals. In vierundzwanzig Stunden erfolgt zwölf mal ein Wechsel im Fluss dieser Energien, dem Kalachakra-Tantra zufolge alle 1800 Atemzüge (im vierundzwanzigstündigen Zyklus sind es insgesamt 21600 Atemzüge). Während jeder der zwölf Umkehrungen des Energieflusses durchlaufen 56,25 Atemzüge den Zentralkanal, im Zyklus von vierundzwanzig Stunden sind das 675 Atemzüge.

Dauer und Qualität eines Lebens sind abhängig von der Anzahl und der Qualität der Atemzüge. So kommt dem Atem in der tantrischen Praxis, wie auch in der Medizin ein wichtiger Stellenwert bei. Mit der „grobstofflichen Luft“, die wir atmen, sind die feinstofflichen Winde verbunden. Die spirituellen Yoga-Praktiken bestehen darin, die „karmischen Winde“ der geistigen Verblendung, die sich durch die Nebenkanäle bewegen, unter Kontrolle zu bringen. Durch Atemkontrolle und Atemanhaltungen werden diese Winde in den Zentralkanal überführt, dort gereinigt und in die so genannte Weisheits-Energie des gnostischen Gewahrseins umgewandelt . Durch Mantrarezitation, yogische Übungen und die Manipulation des Atems sollen die inneren und äußeren Energien transformiert und gelenkt werden, um psychophysische Disharmonien auszugleichen, d.h. Krankheiten aller Art zu heilen, oder spirituelle Verwirklichungen zu erlangen. Alle negativen Emotionen, Krankheiten und „Dämonen“ haben ihren Ursprung im verblendeten Bewusstsein; daher erfolgt ihre Befriedung auch über die Zähmung des Geistes. In den feinstofflichen Winden ist auch die Lebenskraft enthalten. Eine Stabilisierung dieser Lebenswinde hat eine Stabilisierung des Geistes zur Folge – ein Prinzip, das allen yogischen Praktiken zugrunde liegt.

Die inneren Winde und Energieflüsse werden zusammengefasst in den fünf individuellen Kräften, die mit den Elementen und den drei „Säften“ verbunden sind. Diese fünf Kräfte sind in der tantrischen Astrologie von Bedeutung. Zwei von ihnen spielen zudem in der Medizin eine Rolle:

- La, die Geisteskraft
- Sog, die Vitalkraft
- Lü, die physische Kraft
- Wan Thang, die Willenskraft
- Lungta, das Windpferd, das mit Glück und Erfolg in Verbindung gebracht wird .

Anhand von Berechnungen im Jahreshoroskop werden in der Astrologie Aussagen über die Beschaffenheit dieser Energien gemacht, indem die Kräfte des laufenden Jahres mit denen des Geburtshoroskopes verglichen werden. Zeigt sich dabei, dass die Lebenskräfte geschwächt sind, dann kann auf spezielle Rituale zurückgegriffen werden, mit deren Hilfe die Lebensspanne verlängert werden soll .

Sog, die Vitalenergie, bestimmt die Lebensdauer. Sie ist der „unzerstörbare Tropfen“ und der „lebenserhaltende Wind“ mit Sitz im Herzzentrum des feinstofflichen Körpers. Ist das Karma einer Existenz aufgebraucht, dann bleibt die Vitalenergie nach dem Tod im feinstofflichen Bardowesen, d.h. im Wesen des nachtodlichen Zwischenzustandes erhalten.

Das La, in der Tradition des Bön als Schattenseele bezeichnet, ist eine Psychoenergie, die mit der Geisteskraft und der psychischen Befindlichkeit zu tun hat. Ist die Lebenskraft geschwächt, dann kann es den Körper verlassen. Es kann sich verflüchtigen, umherirren oder von Dämonen geraubt werden, die es dann aufzehren. In solchen Fällen fühlt sich die Person leer, müde, erschöpft und wie hypnotisiert. Auch kann das La Ziel der Angriffe von Schwarzmagiern sein. Die Person stirbt dann innerhalb von sechs Monaten. Ist das La beschädigt, verloren gegangen oder geraubt worden, dann kann es mittels verschiedener Rituale zurückgeholt werden .


Schluss

Die traditionelle tibetische Medizin ist ein natürliches, holistisches Heilsystem, das auf einer umfassenden Philosophie und Kosmologie basiert, den ganzen Menschen in seine Betrachtungen einbezieht und sich der körperlichen, geistigen und spirituellen Bedürfnisse des Individuums annimmt. Heutzutage erlernen tibetische Ärzte neben der traditionellen tibetischen Medizin auch die westliche Medizin und verstehen es, letztere in die traditionelle Medizin zu integrieren. Auch im Westen gibt es ein wachsendes Interesse an der TTM als Ergänzung zur Schulmedizin. Die Ausbildungskurse der noch jungen Internationalen Akademie für Traditionelle Tibetische Medizin (IATTM) erfahren einen regen Zulauf von Menschen, die in Heilberufen tätig sind, darunter auch viele Ärzte, während gleichzeitig auch auf Seite vieler Patienten ein großes Interesse besteht, „tibetisch“ behandelt zu werden. Hierbei mag sicherlich auch das Klischee eine Rolle spielen, das Tibet als ein Land der heiligen Wundertäter verklärt. Andererseits mag es der westlichen Medizin möglicher Weise auch zum Vorteil gereichen, einen Hauch der tiefen Menschlichkeit und des Geheimnisvollen jenes alten Medizinsystems zu integrieren, das so erfolgreich durch die Jahrtausende bis in unsere Gegenart bestehen konnte.


Quellen:
Asshauer, Egbert
1993 Tibets sanfte Medizin. Freiburg i.Br.
1994 Tantrisches Heilen und tibetische Medizin. Grafing

Beer, Robert
2003 Die Symbole des tibetischen Buddhismus. München

Clark, Dr. Barry
1995 The Qintessence Tantras of Tibetan Medicine. New York

Clifford, Terry
1996 Die spirituellen Geheimnisse tibetischer Heilkunst. Frankfurt a.M.

Dunkenberger, Thomas
1999 Das tibetische Heilbuch. Aitrang

Jhampa Kelsang (Übers.)
1995 The Ambrosia Heart Tantra. Dharamsala

Lopön Tenzin Namdak / Karin Gungal
1998 Der heilende Garuda. Dietikon

Namkhai Norbu
1995 Drung, Deu and Bön. Dharamsala
1998 Dzogchen, der Weg des Lichts. München
2004 Geschichte und Kultur Tibets. Elmshorn

Ohanecian, Oliver
2007 Von der Wirkungsmacht des erwachten Geistes – „magische“ Elemente des Vajrayana-Buddhismus. In: Lademann-Priemer, Gabriele et.al.: Alles fauler Zauber? Beiträge zur heutigen Attraktivität von Magie. Münster

Reynolds, John Myrdhin
1996 The Golden Letters. New York

Schuhmann, Hans Wolfgang
1993 Buddhistische Bilderwelt. München

Tenzin Wangyal Rinpoche
2002 Die heilende Kraft des Buddhismus. München

Tuan, Laura
1996 Das tibetische Geheimnis von Jugend und Vitalität. München

Tulku Thondup
1994 Die verborgenen Schätze Tibets. Zürich-München

Willson, Martin
1996 In Praise of Tara. Boston

Internetseiten:
http://www.iattm.net/uk/faculties/ttm-intro.htm
http://www.ttm-germany.net/
http://www.shakyadorje.org/?q=History.html
http://www.men-tsee-khang.org/index.htm
http://www.trogawa.blogspot.com/

Reiki und der Medizinbuddha

Habe lang mit mir gerungen und mich jetzt entschlossen, doch zu unterrichten: Reiki abseits der Licht-und-Liebe-Ideologie. Reiki als eine der Praktiken des Medizinbuddha, als Methode der Tiefenentspannung und der Lebensführung.

Dreijähriges

Es ist nun schon wieder drei Jahre her, dass mein Buch veröffentlicht wurde. Die Zeit rast. Ich habe spaßeshalber vor ein paar Tagen mal meinen Namen bei Google eingegeben. Das erste, was in der Liste erscheint ist die schwachsinnigste Kritik, die zu diesem Buch überhaupt ins Internet gepustet wurde. Ich mußte so lachen! Irgendein Schaumschläger, der offenbar den Gardnerian Wiccas zuzurechnen ist, hat den Text bestenfalls auszugsweise gelesen und nichts verstanden. Witzig dabei ist, dass ihm im Wurzelwerk seinerzeit zwar vor allem von Rivka gründlich erläutert wurde, was er offensichtlich nicht verstanden hat. Es scheint aber an ihm vorbeigegangen zu sein, denn seinen abgrundtief dummen Text hat er im großen, weiten Internet stehen lassen.

Herrlich fand ich auch diese ganzen Herrschaften, die also besonders laut im www. lostrompeteten, warum dieses Buch ganz schlimm sei und dieser Oliver Ohanecian ein ganz furchtbar böser Mensch --- und schließlich stellte sich heraus, dass sie den Text nicht einmal auszugsweise gelesen haben.

Vielleicht sollte ich doch eher Mitleid empfinden, statt mich zu amüsieren...

Nomaden-Gen

Derzeit sind mir alle Tage doofe Tage. Wenn es nach mir ginge, dann wäre ich - bei entsprechender finanzieller Unabhängigkeit und Absicherung - unentwegt gemächlich auf Reisen und nur im Winter seßhaft. Ein großer Wohnwagen wäre gut, vorne dran eine sonnenenergiegespeiste Elektroakkuzugmaschine. Kann nicht mal jemand solche Maschinen erfinden? Müssen ja nicht sooo furchtbar schnell sein. Überhaupt wäre doch ein globaler Slowdown der Lebensweisen mal ganz schön, verbunden mit einer Lebensart, die fähig ist, die kleinen Dinge zu genießen und zu feiern.

In der Glotze kann man sich jeden Abend so einen überkandidelten Mist wie "Das perfekte Dinner" ansehen und sich vorgaukeln lassen, dass das irgendetwas Erstrebenswertes sei. Da lobe ich mir ein Lagerfeuer, einen Haufen natürlicher, freundlich-entspannter Menschen und dazu Kartoffel-, Nudel- und ähnliche Salate, irgendwelche Suppen u.ä.

Mir wurde mal an den Kopf geworfen, ich hätte halt die Tendenz zu breiigem Fraß aus dem Trog und irgendwie keinen Sinn für "Kultur". Ich fürchte das stimmt. Ich bevorzuge das Einfache und Ungekünstelte.

Mittwoch, 30. April 2008

Schöne globalisierte Welt

Europäische Lebensmittel werden nach Afrika zu Niedrigspreisen verscheuert. Die Bauern dort verarmen, weil sie mit den europäischen Preisen nicht konkurrieren können.Außerdem machen die europäischen Lebensmittel, u.a. auch Fleisch, krank, weil es in den afrikanischen Ländern unmöglich ist, für lückenlose Kühlketten zu sorgen.

Menschenverachtende Abzocke ist doch wirklich alles!


http://de.youtube.com/watch?v=Q431Yd1danQ

Auf den Punkt...

...genau drückt es Rilke aus:

hevb1ff6

So bin ich nur als Kind erwacht,
so sicher im Vertraun
nach jeder Angst und jeder Nacht
dich wieder anzuschaun.
Ich weiß, sooft mein Denken mißt,
wie tief, wie lang, wie weit -:
du aber bist und bist und bist,
umzittert von der Zeit.

(Rainer Maria Rilke)


Allerdings bin ich doch irgendwie immer Kind geblieben.

kalachakraih7

Dienstag, 29. April 2008

Lobpreis in 21 Versen

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1.
Huldigung! Tara, der Heldin, der Schnellen,
Mit Augen, die hell wie ein Blitzschlag erglühn!
Blühenden Blättern des Lotusgekrönten
Entsprang sie, des Herrn der drei Welten Gesicht!

2.
Huldigung! Ihr, deren Antlitz erglühet
Wie hunderte fülliger Herbstmonde Schein!
Lichtentflammt strahlt sie und glänzender prahlt sie
Als tausender tanzender Sternfeuer Licht!

3.
Huldigung! Goldene, lotusgeschmückt ist
Blaufunkelnd der Wassergeborenen Hand!
Geben, Bestreben und Ruhe und Klarheit,
Geduld und die Meditation sind ihr Land!

4.
Huldigung! Haupt und Tathagatas Krone,
Berühmt wie sie schreitet in endlosem Sieg!
Sie, die die Kinder der Sieger noch ehren,
Die jede Vollendung vollendet erreicht!

5.
Huldigung! Weil sie mit Tuttara füllte
Und Hum jede Sphäre und Richtung des Raums!
Alle die sieben der Welten durcheilt sie,
Versammelt die Wesen und nimmt sie mit sich!

6.
Huldigung! Mächtige preisen die Göttin
Mit Sharka und Agni, mit Brahma, Marut!
Geisterschar beugt sich und Fürsten der Geister,
Ghandarvas und Yakshas und lebender Tod!

7.
Huldigung! Trat-Klang und Phat-Klang vereiteln
Den Plan und den Anschlag des magischen Feinds!
Aufstampft sie, streckt links und beugt rechts die Beine,
Und lodert in Flammen und stürmender Glut!

8.
Huldigung! Ture, die schrecklich und furchtbar
Die Krieger und Kämpfer von Mara zerstört!
Sie, mit dem finsteren Antlitz des Lotus,
Die Gegner vernichtende Totschlägerin!

9.
Huldigung! Wie sie verzierte mit Fingern
Ihr Herz mit dem Mudra des Dreifachjuwels!
Zierde und Schmuck sind ihr Allrad und Himmel
Im Meere des eigenen, wirbelnden Lichts!

10.
Huldigung! Freudvolle, funkelnde Mutter,
Gekrönt mit den Funken des Lichtdiadems!
Lacht mit Tuttare, belustigt erklingt sie,
Zwingt Mara und Welt unter dauerndes Joch!

11.
Huldigung! Mutter, die alle versammelt,
Die Heere der Erdenbewohner vor sich!
Wie sie die grimmigen Brauen beweget,
Erlöst aus der Armut das Tönen von Hum!

12.
Huldigung! Lockenbekränzte, gekrönet
Mit Halbmonds gebogenem Lichtdiadem!
Ewig erleuchtend entflammt Amithaba
Den Turm ihres Haars mit demantenem Glanz!

13.
Huldigung! Der, die im Flammengewinde
Erdzeitalterendendes Feuer bewohnt!
Rechtes Bein streckt sie und linkes Bein beugt sie,
Zermalmend die Scharen des feindlichen Heers!

14.
Huldigung! Ihr, die den Grund und den Boden
Mit Handflächen schlägt und mit Füssen bestampft!
Zornvoll zermalmt sie die unteren Welten,
Die Sieben zerbrechen am Klange von Hum!

15.
Huldigung! Glücklich, vorzüglich und ruhig
Ist sie, die das Friedfeld Nirwanas bestellt!
Handhabt die Keime der höchsten Vollendung,
Zerstört große Übel mit Om und Svaha!

16.
Huldigung! Mutter, von Frohsinn umgeben,
Die Körper und Knochen der Feinde zerschlägt!
Hum offenbart sie, die Retterin ist sie,
das Zehnsilbenmantra erklingt ohne Fehl!

17.
Huldigung! Fußstampferin! Starke Mutter,
ihr Same erwächst zu der Keimsilbe Hum!
Meru, Mandara und Binduchal wanken,
der Grund dreier Welten erbebt unter ihr!

18.
Huldigung! Ihr, die den Hasenmond hochhält,
Der ist wie ein himmlischer, spiegelnder See!
Phat-Klang und zweifach gesprochenes Tara
Reinigt und klärt ausnahmslos alles Gift!

19.
Huldigung! Ihr sind zu Diensten Kimnaras
Und Heere und Herrscher der göttlichen Macht!
Grimmige Träume und Hader vertreibet
Die Rüstung aus Freude und glänzender Pracht!

20.
Huldigung! Königin, sind ihre Augen
Nicht Sonne und Vollmond in blendendem Glanz!
Hara und doppelt gesprochnes Tuttara,
Die tödliche Krankheit vernichten sie ganz!

21.
Huldigung! Sie hat die Macht, zu befrieden
Durch Einpflanzen dreifachen, wirkenden Seins!
Geistergedränge und Yakshas zerstiebt sie
Und lebende Tote – o Ture, o Licht!

(buddhistisch; Übers. aus dem Englischen Rivka)

Langsam aber sicher...

...gewinne ich etwas mehr Orientierung hier.

Das Rad der Zeit

© Oliver Ohanecian

Wir sind Wesen der Zeit. Wir werden geboren, wir reifen und wir vergehen als Teil des Wellenspieles des Entstehens und Vergehens der Erscheinungen in den Tiefen des Raumes: Zeit. Üblicherweise glauben viele von uns ganz genau zu wissen, was Zeit ist - und verweisen dann auf ihre Armbanduhr und die menschliche Erfahrung der Abfolge von Tag und Nacht. Den Philosophen und Wissenschaftlern stellt es sich allerdings weit weniger einfach dar. Und ebenso wenig den Mystikern und Magiern.


Der Wunsch nach Dauer

Wir sind Wesen der Zeit. In einer fortwährenden Abfolge von Bewusstseinsmomenten werden wir geboren, reifen, sterben und werden wieder geboren – jeden Tag, jeden Augenblick, mit jedem Atemzug und jedem Herzschlag. Dies ist die grundlegende Wahrheit unseres Da-Seins. Eine Wahrheit jedoch, der die Kultur der Postmoderne gerne eine ihr eigene Illusion der Dauer entgegenstellt. Entfremdet von uns selbst und unserer wirklichen Natur suchen wir nun vergeblich Dauer nicht nur im Ansammeln von Besitztümern, sondern immer öfter in Schönheitsoperationen und Verjüngungsdiäten. Die Werbung verspricht uns Dauer durch die neuesten Beauty- und Wellness-Trends, durch Halbfettmargarine, Yoghurtkulturen und Butoxspritzen, die uns noch jugendlicher, frischer und allgemein vitaler erscheinen lassen sollen.

Eingebettet in diesen Wunsch nach Dauer sitzt eine Gier, die uns treibt: Wir wollen mehr erleben, suchen den neuesten Kick, den aktuellsten Trend, die beste Party, das coolste Event. Wir suchen Bühnen, auf denen wir unsere Erfolge in der Suche nach Dauer präsentieren und messen können.

Auf diese Weise ist das Denken und die Wahrnehmung vieler Menschen auf Bilder und Bedürfnisse gerichtet, die von Werbestrategen ersonnen und von den Medien verbreitet wurden. Sie verbringen ihr Leben in einer Welt bunter Bilder und sind getrieben von einer dumpfen Furcht vor der wirklichen Welt. Diese Furcht äußert sich als Angst vor Alter und Tod, vor dem Fremden, vor Veränderung. Diese Welt der bunten Bilder ist eine Welt der Stagnation und der Entfremdung. Gefangen in dualistischen Zerrbildern wähnen wir uns zweigeteilt in herrschenden Geist und dienenden Körper. Aus der lebendigen Schönheit des vergänglichen Körpers machen wir eine Fleischskulptur und Anziehpuppe, die wir durch Körpermodifikation unseren Idealen anzupassen und dauerhaft zu machen versuchen. All diese Bemühungen sind jedoch vergebens. Lediglich ein oberflächliches Hinauszögern des Unvermeidlichen ist uns begrenzt möglich. Wir erschaffen dicke Schichten Makulatur, die jedoch immer nur notdürftig die inneren und äußeren Veränderungen zu bedecken vermögen.


Ein Leben zum Tod

Das war nicht immer so. Unsere Vorfahren lebten mit dem Tod und also mit der Zeitlichkeit. Vor etwa vier bis fünf Generationen hatten die Menschen in Deutschland statistisch eine Chance von 2:1, das erste Lebensjahr zu überleben und ihre Chance, neun Jahre oder älter zu werden, stand 1:1. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung lag bei 35 Jahren. Gestorben wurde damals dauernd. So wurde in früheren Generationen das Leben sehr viel stärker, als dies heute der Fall ist, in seiner Perspektive auf den Tod hin betrachtet, was seinen Niederschlag u.a. in Literatur, Dichtung, bildender Kunst oder auch in Choraltexten von Kirchengesangbüchern fand.

Diese Perspektive des Lebens auf den Tod hin scheint den Kulturen der Postmoderne weitestgehend abhanden gekommen zu sein. Viel haben wir sicherlich gewonnen: Die Welt ist vielen von uns kein Jammertal mehr. Der Tod eines Kindes ist heute etwas Ungewöhnliches und Widernatürliches. Wir haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80 Jahren und durchschnittlich tritt im engeren Familienkreis nur noch alle 15-20 Jahre ein Todesfall ein. Unsere allgemeine Lebensqualität ist geprägt vom Überfluss. Wir verfügen über eine ausgezeichnete medizinische Versorgung, ausreichend Nahrung und ein übermäßiges Angebot an Genussmitteln und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Mit all diesen Veränderungen hat jedoch auch der Wahn der Machbarkeit Einzug gehalten. An die Stelle eines Tiefenblickes, wie er durch das Bewusstsein der Vergänglichkeit entstehen kann, ist die Faszination für den oberflächlichen Glanz getreten. Reichtum, Statussymbole und Schönheit, Aktivität und Lustgefühl sind das Machbare. Vergänglichkeit aber ist das unvermeidliche Andere, das Angst erzeugt.


Spiritualität als Wellness-Programm

Wir wollen schön sein, wir wollen Spaß haben und wenn uns das auszehrt, dann wollen wir ein regenerierendes Wellness-Programm. Was wir nicht wollen, das ist die Welt, wie sie ist, oder die Zeit, die uns als Countdown unserer persönlichen Zeit vergeht. Unter anderem drückt sich dies auch in diversen neureligiösen Bewegungen aus, die selten etwas anderes, als ein spirituelles oder besser: spiritualisierendes Wohlfühlprogramm darstellen, in dem Tiefe und Einsicht zwar nicht vorhanden sind, jedoch mit bunten Bildern und interessanten Worten simuliert werden. Diese Art „Spiritualität“ wird meist individuell, dem ganz persönlichen Appetit folgend, am kalten Buffet religiöser Versatzstücke und hohler esoterischer Phrasen kreiert, wie es vom Esoterikmarkt bereitgestellt wird. Was dabei dann etwas weniger schmackhaft erscheint, das wird getrost beiseite geschoben. Spiritualität soll ja immerhin Spaß machen, Wohlgefühl erzeugen und das Ego stärken.

So ist der Ort, an dem sich diese Form der Spiritualität abspielt, die Fantasie.
Es ist ein Spiel mit Bildern und Worten, die einem durchschnittlichen Leben und Denken einen mystischeren und tieferen Anschein verleihen soll. Verborgen unter den Bildern jedoch bleiben die gleichen Strukturen, das gleiche Denken, die gleichen Ängste, der gleiche Mensch. Die allgegenwärtige dualistische Abspaltung des Individuums von der Welt bleibt hierbei erhalten oder wird gar vertieft.


Tantrische Zeitlehren

Ein anderes Verständnis des Menschen, seiner Eingliederung in die Welt und der Zeit finden wir im Buddhismus und dort ganz speziell im Kalachakra-Tantra. „Kala“ bedeutet Zeit und „chakra“ bedeutet Rad oder Kreis. Es ist also das Tantra vom Rad der Zeit. Dem Samputa-Tantra zufolge werden vier buddhistische Tantra-Klassen unterschieden, nämlich Handlung (skt. kriyâ), Durchführung (skt. caryâ), Yoga und Höchstes-Yoga (skt. anuttarayoga). Das Kalachakra-Tantra gehört zur Klasse der Anuttarayoga-Tantras.

Das Tantra vom Rad der Zeit präsentiert drei Aspekte oder drei verschiedene Arten von Zeitzyklen: äußeres, inneres und alternatives Kalachakra. Im äußeren Kalachakra werden die äußeren Zeitzyklen behandelt, d.h. die Welt, die vom Geist empfindender Wesen als Außenwelt wahrgenommen wird. Hierbei bezeichnet Kala ein Jahr bzw. die Tage eines Kalenderjahres. Symbolisiert wird dieser Jahreszyklus durch ein Rad.

Der Buddhismus definiert Zeit als Maß der Veränderung. So ist etwa ein Monat das Maß des Wechsels, der äußerlich durch den Umlauf des Mondes um die Erde entsteht oder innerlich z.B. bei der Frau, wenn sie von einer Menstruation zur nächsten geht. Solche Ereignisse sind insofern zyklisch, als sich in ihnen Muster wiederholen, wenngleich sie auch nicht vollkommen identisch sind. Das äußere Universum durchläuft kosmische, astronomische, astrologische und historische Zyklen, während auf einer inneren Ebene der Körper durch physiologische Zyklen wandert, die ihrerseits mentale und emotionale Zyklen hervorbringen. Die Strukturen der äußeren und inneren Zeitzyklen sind analog. Die Gesetze, die das Universum regieren, betreffen gleichermaßen auch die Welt der kleinsten Teilchen, unseren Körper und unsere Lebenserfahrungen.

So beschreibt das äußere Kalachakra die Elemente des Universums und ihre wechselseitigen, dynamischen Beziehungen zueinander. Es legt die Kosmologie, den Zeitverlauf und die astrologischen Berechnungen dar.

Inneres Kalachakra ist das, was durch das Bewusstsein als Inneres erfasst wird. Dargestellt wird dieses innere psycho-physische Universum hierbei in Form einer spezifischen inneren Physiologie von Chakren, Energiekanälen und Energiewinden. In diesem Fall bezieht sich Kala auf zwölf feinstoffliche Kanäle am Nabelchakra und auf die Vitalenergien oder Atemzüge, die als sechs Einatmungen und sechs Ausatmungen je abwechselnd auf der linken und der rechten Seite durch diese Kanäle hindurch fließen. Zusätzlich zu diesen Kanälen wird außerdem ein Zentralkanal genannt, in dem sich die Energien vereinigen, d.h. er ist der Ort der spirituellen Entwicklungen und der inneren Alchemie. In vierundzwanzig Stunden erfolgt zwölf mal ein Wechsel im Fluss dieser Energien, dem Kalachakra-Tantra zufolge alle 1800 Atemzüge, derer es in einem vierundzwanzigstündigen Zyklus 21600 sind. Während jeder der zwölf Umkehrungen des Energieflusses durchlaufen 56,25 Atemzüge den Zentralkanal, im Zyklus von vierundzwanzig Stunden sind das 675 Atemzüge. Der Begriff „Rad“ bezeichnet im inneren Kalachakra die zwölf Umkehrungen des Energieflusses und die 21600 Atemzüge eines Tageszyklus.

Der Ausdruck „alternatives Kalachakra“ schließlich bezeichnet die stufenweise Abfolge von meditativen Praktiken des Anuttarayoga-Tantra, mit deren Hilfe die Befreiung von den durch die Zeit aufgezwungenen Grenzen, also den äußeren und inneren Zeitzyklen, erfolgt. Auf der höchsten Stufe dieser Meditationen bezeichnet „Zeit“ einen Zustand unwandelbarer Glückseligkeit und „Rad“ die leere Form der Erscheinung.

Ziel buddhistischer Praxis ist die Beendigung des Leidens. Von den Tantras heißt es, dass die in ihnen präsentierten Methoden besonders schnell zu diesem Ziel führen: In nur einem Leben sei es möglich, die vollkommene Erleuchtung zu erlangen. Zentral hierbei ist ein Zustand der Glückseligkeit, der in den Praktizierenden hervorgerufen wird.

Die unwandelbare Glückseligkeit, von der im Kalachakra-System die Rede ist, wirkt als Mittel zur vollständigen Auflösung des Bereiches der Materie. Jeder Atemzug entspricht hierbei einer bestimmten Energie und wir machen im Laufe eines Tages 21600 Atemzüge. So durchfließen uns 21600 verschiedene Energien. Wird eine dieser Vitalenergien transformiert, so wird damit einer der 21600 materiellen Bestandteile des Körpers aufgehoben. Und eine derartige Beendigung entspricht einer großen Glückseligkeit. Dieser Prozess bedeutet die Aufhebung der Energien des Karma. Werden diese Energien zum Erliegen gebracht, so bedeutet dies die Auflösung der 21600 materiellen Bestandteile und die Verwirklichung von 21600 Arten der Glückseligkeit.


Die Zyklen der Zeit und ihre Überwindung

Das Kalachakra-Tantra befasst sich also mit Zeitzyklen, von denen es drei Arten präsentiert. Die äußeren und inneren Zyklen handeln von Zeit, wie sie uns allen geläufig ist, d.h. den äußeren Zeitabläufen und den inneren, während die alternativen Zyklen aus Praktiken bestehen, mit denen man Befreiung von diesen beiden erlangt. Die äußeren und inneren Zeitzyklen behandeln Samsara, die Welt der Illusion, jenen mit Problemen und Nöten überfrachteten Ort der unkontrollierbaren, immer wieder neu auftretenden Wiedergeburt.

Dieser ewige Kreislauf wird in Gang gehalten durch die Energieimpulse des Karma oder, wie es das Kalachakra-Tantra formuliert, durch die „Winde des Karma“. Der Begriff „Karma“ bezeichnet ein Prinzip, dass dem Geist verbunden ist. Es handelt sich dabei um eine Kraft, die aus der Verwirrung des Geistes hinsichtlich des Wesens der Welt entsteht. Die Verwirrung besteht hierbei in der Vorstellung, die Erscheinungen der Welt besäßen eine feste und eigenständige Identität, die ihnen innewohne. Aus dieser Vorstellung heraus entstehen Anhaftung, Hass und verbohrte Dummheit, mit denen wir auf diese vermeintliche Getrenntheit und Eigenständigkeit der Erscheinungen reagieren.

Die körperlichen, sprachlichen und geistigen Handlungen, die aus dieser Denkweise entstehen, bauen karmische Potenziale und Gewohnheiten auf. Diese „karmischen Samen“ reifen dann unter geeigneten Umständen zu zwingenden Impulsen heran, die uns Taten wiederholen lassen oder uns in Situationen führen, in denen wir ähnlichen Handlungen ausgesetzt sind. Den tantrischen Lehren zufolge unterliegen auch den physikalischen Gesetzen des Universums solche Impulse. Unter dem Einfluss dieser Impulse entfaltet sich das Universum mit seiner Vielzahl an Lebensformen und Umwelten, in denen wir wiedergeboren werden.

Das eigentliche Wesen der Welt ist die Leerheit. Die Erscheinungen der Welt sind leer von inhärenter, also ihnen innewohnender Eigenexistenz. Sie sind zusammengesetzt aus einer Vielzahl von Faktoren, aus deren dynamischen Zusammenspiel die einzelnen Erscheinungen auftauchen und in die sie auch wieder verschwinden. Die stetig sich wandelnde Erscheinungswelt gleicht dem Spiel der Wellen auf einer Wasserfläche oder den Wolken in der Weite des Himmelraumes.

Die Befreiung von der Zeit bedeutet nicht die Beendigung der Existenz von Zeit, sondern es bedeutet die Befreiung von der geistigen Verwirrung, die Karma hervorbringt, durch das wir dem Wüten der Zeit ausgeliefert sind. Eine Befreiung in diesem Sinne heißt, dass eine nachteilige Beeinflussung durch periodisch wiederkehrende äußere Ereignisse endet. Gleichzeitig schließlich mit einem völligen Verstehen der Wirklichkeit, so heißt es über diese tantrische Praxis, wird die Fähigkeit erlangt, über alle zeitlichen Begrenzungen hinweg Zyklen von Ausformungen hervorzubringen, die anderen von Nutzen sind.

Es geht also hierbei auch darum, die Grenzen, die wir uns selbst und anderen durch unser begrenztes und begrenzendes Denken errichten, zu überwinden. Und das nun führt mich zurück zur Wohlfühl-Spiritualität. Wenn Spiritualität begrenzte Dinge der Zeit, wie etwa die Idee des Selbst, das schöne Gefühl, exotisch klingende Worte oder ein fantasievolles Ambiente, ins Zentrum ihres Strebens rückt, wo anders soll sie dann hinführen, als nur zu mehr Begrenzung?


Leseempfehlungen:

Berzin, Alexander: Kalachakra – das Rad der Zeit. Bern, München, Wien 2002
Henss, Michael: Kalachakra. Ulm 1998
Lammer, Kerstin: Trauer verstehen. Neukirchen-Vluyn 2003










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Der Tanz der Dakinis

© Oliver Ohanecian

Es geschah am 21. Februar 1981 in Amritsar, Indien. An der Strasse von Tarantaran und Amritsar stiegen zwei Frauen in einen Bus. Sie waren weiß gekleidet, jung und von atemberaubender Schönheit. Der Bus fuhr sehr schnell, als er an einer Haltestelle mit einem Ruck gestoppt wurde. Dabei fiel das Augenmerk des Fahrers und eines Fahrgastes auf die Füße der beiden Frauen. Da brach ihnen der Angstschweiß aus den Poren, denn es waren keine menschlichen Füße, sondern die Hufe von Tieren. Dadurch wurden die Frauen als Dakinis erkannt. Der Busfahrer floh daraufhin in Panik aus dem Fahrzeug, während der andere Mann vor Angst das Bewusstsein verlor. Die beiden Frauen verschwanden unterdessen spurlos. So berichtet am 22. Februar 1981 in der Hindi-Zeitung Dainik Panjab Kesari.

Das Verschwinden dieser beiden Dakinis war sicher ihr Glück, denn Frauen, die man als Dakinis identifiziert, kann es in der Hindugesellschaft Indiens bis heute passieren, dass sie gelyncht werden.

In Hindu-Indien sind die Dakini und ihr männliches Gegenstück, der Daka, gefürchtete Hexen, die schwarze Magie, Blutopfer und weltliches Tantra auf niedriger Stufe praktizieren. Dakinis und Dakas gelten als Gefolgsleute Shivas oder Durgas und werden als verabscheuungswürdige, bluttrinkende Personen charakterisiert. Es heißt, sie verfügen über spezielle Fähigkeiten oder auch Mantras, die als „Dakini Bidya“ bezeichnet werden, mit denen sie verschiedene Zauberkräfte erlangen. Das Bild der Dakini zeigt interessante Gemeinsamkeiten mit jenem Bedeutungskomplex auf, der in der deutschen Sprache mit dem Begriff „Hexe“ belegt ist.


Zum Hexenbild der Gelehrten

In Europa entwickelte sich ab dem 14. Jahrhundert ein gelehrtes Hexenbild, das am Ende des 15. Jahrhunderts vollständig ausdefiniert war und mit dem Erscheinen des Hexenhammers schließlich die juristische Grundlage für die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit lieferte. Anders, als es das Klischee gern weis machen will, waren die Opfer dieser Verfolgungen weder nur Angehörige des weiblichen Geschlechtes, noch einer bestimmten Gesellschaftsgruppe wie den Kräuterweiblein, einer besonderen Berufsgruppe wie etwa den Hebammen oder etwa nur der armen Schicht zugehörig. Desgleichen waren die Träger der Verfolgungen nicht etwa Vertreter der Kirche, vielmehr handelte es sich um lokale Gruppen, lokale Amtsträger und professionelle Hexenjäger. Die beteiligten Gerichte waren weltlich, nicht kirchlich.

In der Hexenlehre der Gelehrten wird von einer neuen Sekte berichtet, die ganz bestimmte Merkmale aufweist, durch die sie sich von der Zauberei und den vielfältigen Arten der Magie abgrenzt. Hexerei ist ein sogenanntes Kumulativdelikt und liegt dann vor, wenn eine Reihe von Punkten vermeintlich erfüllt worden ist. Dazu gehört die Teufelsbuhlschaft, der Teufelspakt, der Hexenflug, der Hexensabbat und schließlich der Schadenzauber.

Eine Hexe ist also eine Person, die in besonderer Weise einem dämonischen Wesen sexuell verbunden ist und die mit dem Teufel einen Pakt geschlossen hat. Auf unterschiedlichsten Gegenständen fliegt sie durch die Luft, um an einer nächtlichen Versammlung teilzunehmen, bei der dem Herrn des Sabbats gehuldigt wird. Sie ist fähig zu Verwandlungen aller Art und verfügt über die Kraft, Menschen und Tieren auf magische Weise zu schaden. Sie repräsentiert das Gegenteil der gesellschaftlichen Ordnung.

Wir wissen nicht, ob es tatsächlich eine Hexensekte gegeben hat. Jedoch weist das gelehrte Hexenbild interessante Parallelen zu sehr viel älteren Vorstellungen und tatsächlich existierenden Kulten Asiens auf.


Jenseits der Ordnung

Der Begriff „Hexereye“ taucht erstmals 1419 in Luzern auf. Heutzutage gibt es die Theorie, das Wort „Hexe“ stünde mit „Hagazussa“, dem Dämon des Hags, in Verbindung. Zwar ist diese Verbindung für viele Menschen heute eine Glaubenswahrheit von geradezu religiösem Gewicht, doch tatsächlich ist sie unklar, denn zwischen beiden Begriffen liegen tausend Jahre und es gibt kein Bindeglied, das als Beleg für eine entsprechende etymologische Entwicklung dienen könnte.

Anders sieht die Sache bei den gefürchteten Hexen Asiens aus. Das Wort „Dakini“ leitet sich ab von der Sanskritwurzel „dī“, d.h. fliegen, und hat die Bedeutung „Himmelswandlerin“, wörtlich ins Tibetische übertragen als Khandroma. Dies gibt eine der wichtigsten Eigenschaften wieder, die den Dakinis nachgesagt wird: Sie bewegen sich durch die Lüfte. Genau wie im traditionellen europäischen Hexenbild umfasst darüber hinaus im hinduistischen Volksglauben das Konzept der Dakini all diejenigen Dinge, die den Vorstellungen von Ordnung, vom Guten und vom Schönen entgegenstehen: Sie sind hässlich oder doch zumindest auf hässliche Weise unvollkommen, denn sie sind das Gegenteil des von der Kultur vorgegebenen Erstrebenswerten.

Sie sind von äußerst furchterregender Natur, verborgen jedoch unter einer Oberfläche, die einen reinen und makellosen Eindruck zu erwecken vermag. Sie erscheinen zunächst als normale oder ungewöhnlich schöne Frauen, doch haben sie Tierfüße oder ihr Rücken, unbedeckt von Haut, zeigt das rohe Fleisch. Samt und sonders Elemente, die sich in Europa ebenfalls in Verbindung mit dem Hexenglauben finden, etwa in der Darstellung der dämonischen Begleiter oder auch in der Literaturgattung der Hexenmärchen.

Grundsätzlich unterscheidet der Volksglaube zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Dakinis. Die nicht-menschlichen Dakinis sind häufig die Geister von Frauen, die während der Schwangerschaft, während der Niederkunft oder im Kindbett gestorben sind. Diese Vorstellung ist verbunden mit der Stellung der Frau in der indischen Gesellschaft. Der Wert oder sogar das Existenzrecht einer Frau ist dort mehr oder weniger in der Fähigkeit begründet, Söhne zu gebären. Wird sie durch das Schicksal daran gehindert, ihre Rolle zu erfüllen, so wird sie dem überlieferten Glauben zufolge zu einem extrem übelwollenden Geist. Und auch den Leichen solcher Frauen wird ein so großes magisches Potential nachgesagt, dass Teile davon oder auch die Asche in den magischen Verrichtungen menschlicher Dakinis und Dakas Verwendung finden.

In Rajastan findet sich eine andere Variante zum Ursprung nicht-menschlicher Dakinis. Dort erscheint die Dakini an jenen Orten, die Mahasati genannt werden, d.h. „Ort des großen Opfers“. Das sind die Orte, an denen brave Witwen ihren verstorbenen Gatten in das Bestattungsfeuer folgen. Dort erhebt sich die Dakini, um die Herzen ihrer Opfer, die sich unvorsichtiger Weise diesem Ort zu sehr genähert haben, zu verschlingen. So wird also der Ort, an dem die nach den Regeln ihrer Gesellschaft folgsame und gute Frau ihrem Gatten die höchste Verehrung und ihren Sinn für die eheliche Pflicht zeigt, zum Sitz einer übelwollenden Dämonin, die jede Ordnung und allen Gehorsam bedroht.

Die Dakini rüttelt also an den Grundwerten der Gesellschaft. Dies gilt auch für menschliche Dakinis. Will eine Frau zu Lebzeiten eine Dakini werden, so opfert sie, der Überlieferung zufolge, ihren Sohn, ihr erstgeborenes Kind oder ihren Ehemann, um so die Hexenkräfte zu erlangen. Doch auch kinderlose Frauen oder Frauen, deren Kind gestorben ist, können sich in Hexen verwandeln.

Die Ehepartner von Dakinis und Dakas leben immer ein wenig auf Messers Schneide, denn stets laufen sie Gefahr, ausgezehrt zu werden oder durch verschiedene Krankheiten ihr Leben zu lassen. Dakinis verhexen ihre Partner, wenn diese ihre sexuellen Wünsche nicht befriedigen. Und als allgemeine Regel gilt, dass sie immer zornig reagieren, wenn ihren Wünschen nicht nachgekommen wird. Dann bringen sie Unglück, Krankheit – insbesondere Fieber – und Tod.

Ein weiteres wichtiges Merkmal der Dakinis und Dakas ist ihre Tierhaftigkeit. Ihre tierische Natur zeigt sich insbesondere in ihrer Gier nach Fleisch, sowohl dem von Tieren, als auch dem von Menschen, und sie sind fähig, ihre Gestalt zu wechseln und die von Tieren anzunehmen. Sie können als jedes Tier erscheinen, aber die am häufigsten genannten Tiere sind Katze, Hund, Schakal, Hyäne, Büffel und Ziege. In Rajastan wurden daher 1819 während einer groß angelegten Hexenjagd durch den Prinzen Zalim Singh auch Katzen mit einbezogen.

In verschiedenen Regionen Indiens findet sich zudem der Glaube, bei menschenfressenden Tigern handele es sich um Dakas und Dakinis. Dies deutet noch eine andere wichtige Assoziation an, nämlich die mit dieser Tierhaftigkeit verbundene aggressive Sexualität und die Lust am Töten, die den Dakinis ebenfalls nachgesagt wird. Und so, wie sie ihre eigene Gestalt wechseln können, so können sie auch Menschen in Tiere verwandeln und sie dadurch ihrer Menschlichkeit berauben.


Die Dakini im Buddhismus

Aus hinduistischer Sicht sind also Dakas und Dakinis zu bekämpfende Feinde des Menschen, Dämonen, die die Ordnung und das Gute bedrohen und dem Gefolge zerstörerischer Gottheiten angehören. Eine andere Stellung nehmen sie hingegen im tantrischen Buddhismus ein.

Noch im Lankavatara-Sutra, einer wichtigen Schrift des Mahayana-Buddhismus, die, spät angesetzt, um das vierte Jahrhundert herum verfasst wurde, tauchen Dakinis und Dakas in der aus dem Hinduismus bekannten Deutung auf. Das 8. Kapitel dieses Sutras ist eine Lehrrede wider den Fleischverzehr. Dort heißt es über die negativen Folgen des Fleischessens u.a.

“Aus dem Schoß einer Dakini wird er [der Fleischesser] in die Familie eines Fleischessers wiedergeboren und dann im Schoß einer Rakshasi und einer Katze; er gehört zur niedrigsten Klasse der Menschen“

Nach Ansicht dieses Sutras führt also das Essen von Fleisch durch die damit verbundene Ansammlung von Negativität in dämonische und tierische Daseinsbereiche. An anderer Stelle wird dort die Geschichte eines karnivoren Königs erzählt, der im Wald mit einer Löwin Geschlechtsverkehr hat, woraus dann Kinder hervorgehen:

„Aufgrund ihrer schlechten Eindrücke in der Vergangenheit, als ihre Nahrung Fleisch war, aßen sie als Könige Fleisch. Und in diesem Leben wohnten sie in einem Dorf namens Kutiraka; weil sie stark am Fleischessen hingen, wurden ihnen Dakas und Dakinis geboren, die schreckliche Esser von Menschenfleisch waren.“

Dakinis werden in diesem Mahayana-Text also noch als etwas Abzulehnendes dargestellt. Dies sollte sich allerdings im Laufe der Zeit grundlegend ändern. Das Hauptprinzip der buddhistischen Sutras liegt in der Schulung von Intelligenz und Disziplin. Außerdem wird Bodhicitta kultiviert, d.h. alle Handlungen werden auf ihre Motivation überprüft. Im Gegensatz zum Hinayana, dem „kleinen Fahrzeug“, dessen zentrales Anliegen die Entsagung der leidhaften Welt und die persönliche Befreiung daraus ist, nimmt außerdem im Mahayana, dem „großen Fahrzeug“, die Gesamtheit der empfindenden Wesen eine zentrale Stellung ein: Der oder die Mahayana-Praktizierende legt das Bodhisattva-Gelübde ab, bis zum Zustand der Erleuchtung, also über viele Existenzen hinweg, den einmal eingeschlagenen spirituellen Pfad zu gehen, um allen empfindenden Wesen von Nutzen zu sein.

Aus diesem Ansatz ergibt sich eine ethisch-moralische Wertung äußeren Handelns, die zwar vom Hinayana unterschieden ist durch die altruistische Einbettung der Spiritualität, jedoch noch sehr stark an dessen Sicht- und Praxisweisen anlehnt. Und wenn also die Aufgabe des Mahayana-Praktizierenden darin besteht, sich positives Handeln zu Eigen zu machen und als negativ bewertete Dinge abzulehnen, so bleibt doch ein hohes Maß an Bindung gegenüber den kulturell gesetzten Normen und Wertmaßstäben bestehen – und die Dakini bleibt negativ.

Dies änderte sich im tantrischen Buddhismus oder Vajrayana. Manche westlichen Interpreten sahen im Vajrayana eine Art Verfallserscheinung, gewissermaßen eine Verunreinigung der „reinen buddhistischen Lehre“. Tatsächlich stellt aber die Entwicklung vom Hinayana über den Mahayana hin zum Vajrayana eine logische und konsequente Weiterentwicklung dar. Im Falle des Vajrayana ist es eine Vertiefung der im Mahayana ausgearbeiteten Philosophien, insbesondere der Leerheitsphilosophie der Prajñaparamita -Literatur.

In diesem Zusammenhang steht auch die westliche Interpretation, der zufolge die Dakini durch den Buddhismus uminterpretiert worden sei. Tatsächlich aber stellt der tantrische Buddhismus in sich lediglich einen Wechsel der Perspektive dar, weg von der kulturellen Ordnungskonstruktion mit ihrer Angst vor allem, was die Ordnung in Frage stellt, hin zum Blickwinkel der Dakini selbst.

Im wesentlichen zielt die tantrische Praxis auf eine Transformation der negativen Zustände, durch die das Bewusstsein konditioniert ist, in Weisheiten. Ziel ist ein nicht-dualistischer Geisteszustand, der befreit ist von der Konditionierung durch dualistische Gedanken und daraus entspringende Emotionen, in dem sich das Potential menschlichen Bewusstseins spontan entfalten kann . Im Verlaufe dieses Prozesses werden all die Werte und Wahrheiten, die dem Individuum als augenscheinliche und greifbare Wirklichkeit des inneren und äußeren Erlebens erscheinen, allmählich bis an die Wurzel aufgelöst und zerstört. Und eine bedeutende Rolle spielt dabei die Dakini.


Vierundzwanzig Orte der Kraft

Der Begriff „Dakini“ gilt, wie bereits dargestellt, als Sanskritwort. Es gilt allerdings auch als gesichert, dass der Ursprung des Wortes, wie auch seine Bedeutung nicht-indogermanisch sind. Etwa ab 2000 v.Chr. wanderten in Indien indogermanisch sprachige Stämme ein, die sich selbst gegenüber der Urbevölkerung, den Drawiden, als Arier, d.h. „die Edlen“ bezeichneten. Als Sanskritwort wird „Dakini“ dem Indogermanischen zugerechnet, tatsächlich aber ist es drawidischen Ursprungs, d.h. es entstammt einer der nicht-indogermanischen Sprachen Indiens. Dies führt manche Forscher zu der Vermutung, dass dieses Wort drawidischer Völker aus einer Zeit stammt, bevor die arischen Stämme aus dem Nordosten einwanderten und den Subkontinent überrannten.

Die Dakas und Dakinis in ihrer ursprünglichsten Bedeutung werden mit dem Kult der Muttergöttinnen, den Matrikas , in Verbindung gebracht. Bei den Drawiden gab es eine tiefe Verehrung des Weiblichen und in ihren Überlieferungen findet sich bereits früh eine überaus interessante Entsprechung zum europäischen Blocksberg- und Hexensabbatmotiv, das im Hinduismus und Buddhismus bis heute von großer Bedeutung ist. Sie berichten sie von vierundzwanzig Kraftplätzen in der Himalayaregion Indiens und in Tibet, die als Residenzen jener Art von Göttin gelten, die als Dakini bezeichnet wird. Die mit diesen vierundzwanzig Plätzen in Verbindung gebrachten Dakinis hatten einen menschlichen Körper und den Kopf eines Tieres. So gab es in dieser sehr alten Tradition also Dakinis mit den Köpfen von Adlern, Krähen, Löwen, Tigern, Büffeln usw.

Die Arier übernahmen diese Kraftplätze und verorteten sie innerhalb ihres eigenen Religionssystems. Sie verehrten eine göttliche Trinität, nämlich Gott als Schöpfer (Brahman), Gott als Erhalter (Vishnu) und Gott als Zerstörer (Ishvara, der später zu Shiva wurde). Die vierundzwanzig Kraftplätze und die Dakinis ordneten sie dem Ishvara zu, dem Zerstörer. Die mit Ishvara und den Dakinis verbundenen Riten waren dementsprechend blutig und forderten Tier- und Menschenopfer.

Im buddhistischen Chakrasamvara-Tantra, ein eng mit dem Hevajra-Tantra verwandter Text, tauchen diese vierundzwanzig Orte der Kraft mit dem Berg Kailash als Zentrum wieder auf. Hier nun sind sie die Stätten, an denen sich der zornvolle Heruka, d.h. die höchste Form des erleuchteten Bewusstseins, manifestiert und mit den Dakinis versammelt. „Heruka“ das bedeutet „Bluttrinker“. Tatsächlich wurzelt diese Bezeichnung in der alten hinduistischen Tradition des Blutopfers, ihre Bedeutung jedoch erfuhr im Buddhismus einen grundlegenden Wandel: Das Blut, von dem hier die Rede ist, symbolisiert die Vereinigung von Leerheit und Glückseligkeit.

Die buddhistische Tradition berichtet von einer spirituellen Eroberung der vierundzwanzig Kraftorte: Um den Blutopfern und anderen Handlungen der Dakini-Tradition Ishvaras, die ein spirituelles Erwachen verhindern, entgegen zu wirken, manifestierte der Buddha das Mandala des Heruka Chakrasamvara, das er sodann auf die vierundzwanzig Orte niederdrückte. Dadurch wurden Ishvara und seine Dakini-Gefolgschaft unterworfen. Sie entsagten fortan den Blutopfern und wurden als Schützer des Buddha-Dharma eingeschworen.


Energie und Leerheit

Die grundsätzliche Bedeutung der Dakini im buddhistischen Kontext ist die Manifestation von Energie, das Spiel und die freie Bewegung von Energie im unbegrenzten Raum. Der Raum repräsentiert hierbei Shunyata, die Leerheit, d.h. die Nichtsubstantialität der Erscheinungen, die gleichzeitig die reine Potentialität aller möglichen Manifestationen bedeutet. Die wahrgenommenen Erscheinungen gelten hierbei einerseits als nichtsubstantiell, weil sie aus dem Zusammenspiel einer Vielzahl von äußeren Faktoren entstehen und vergehen und nur in Abhängigkeit von diesen Faktoren erscheinen. Andererseits, weil sie in sich selbst zusammengesetzt sind, d.h. sie bestehen in sich aus einer Vielzahl anderer Bestandteile, deren Zusammenspiel die Illusion eines eigenständigen Phänomens erzeugt. So sind die Phänomene der Welt also ein kompliziertes Netz einer gewaltigen Vielzahl innerer und äußerer Faktoren und ohne irgendeine Form eines eigenständigen Selbst. Daher gelten sie in ihrer letzten Wirklichkeit als substanzlos, vergleichbar einer Spiegelung im Wassser.

Basierend auf diesem Leerheitsbegriff wird die Welt beschrieben als ein Tanz reiner Energie, das Reich der Dakinis (tib. Khandro) und Dakas (tib. Pawo). Und das dualistische Substanzdenken erscheint als wahnhafter Zustand leidverursachender Illusion. Die Praxis des Vajrayana ist die Transformation der Energie negativer, weil illusionärer Zustände, den sogenannten Kleshas oder Befleckungen, in die strahlende Energie des gnostischen Gewahrseins (Jñana). Dakinis können sich in menschlicher Gestalt manifestieren und existieren potentiell als natürliche Gegebenheit im Individuum. Sie können auch in männlicher Form erscheinen, manchmal etwa als männliche Meditationsgottheit, oder als Mann im menschlichen Daseinsbereich.


Was ist das eigentlich: Energie?

An dieser Stelle sollte nun aber vielleicht geklärt werden, was genau in diesem Zusammenhang der Begriff „Energie“ eigentlich bezeichnet. Energie weist in diesem Kontext drei Formen auf, die als Tsal, Rolpa und Dang bezeichnet werden. Diese drei Formen von Energie betrachten wir nun einmal genauer.

Beginnen wir mit Tsal:
Dieser Aspekt der Energie wird durch einen Kristall symbolisiert. Trifft Sonnenlicht den Kristall, so wird es gebrochen und es entstehen Strahlen und Muster in den Spektralfarben, die von dem Kristall getrennt zu sein scheinen, jedoch in Wahrheit ein Ausdruck seiner Natur sind. D.h. dass Tsal die Manifestation von Energie als scheinbar äußere Welt ist.

Was bedeutet das? Tsal ist die Manifestation von Energie auf der Ebene von Subjekt und Objekt. Alles, was man wahrnimmt, ist eine Manifestation des Geistes. Der Geist ist wie ein Spiegel, in dem sich unendlich viele Spiegelungen zeigen können, schöne wie hässliche. Dazu allerdings wird eine sekundäre Ursache benötigt, die vor dem Spiegel erscheint. Genauso manifestieren sich alle Phänomene wie Spiegelbilder im Geist, wobei die sekundären Ursachen in ihrer wahren Natur leer sind. Ein Mensch, der in die Dualität eingetreten ist, wir alle also, glaubt in einem abgeschlossenen Selbst zu leben, scheinbar getrennt von einer äußeren Welt. Die Projektionen seiner Sinne hält solch ein Mensch für Dinge, die getrennt von ihm existieren. Die Beschaffenheit jedoch dessen, was vor dem Spiegel erscheint, ist Leerheit, das erscheinende Objekt ist nichts Konkretes.

Natürlich wissen wir normalerweise ganz genau, dass ein Spiegelbild nichts Wirkliches ist. Allerdings halten wir das Objekt vor dem Spiegel für konkret. Und obgleich wir vielleicht durch gelehrte philosophische Analysen intellektuell verstehen können, dass das eigentliche Wesen solcher Objekte die Leerheit ist, bleiben wir dennoch fest in unserem Glauben, dass sie wirklich sind. Auf diese Weise gerinnt unsere karmische Vision zu etwas Konkretem.

Namkhai Norbu gab in seinem Unterweisungen zu diesem Thema einmal ein Beispiel aus dem Leben: Der Hunger. Obwohl wir vielleicht auf intellektueller Ebene wissen, dass Hunger unwirklich ist, wären wir doch nach zwei, drei Tagen ohne Essen sehr hungrig. Das intellektuelle Wissen, dass Hunger unwirklich ist, genügt nicht, weil wir eine tiefe Überzeugung haben, dass er wirklich ist. Unser Magen ist der Überzeugung, wie Namkhai Norbu sagt. Und so empfindet unser unwirklicher Magen unwirklichen Hunger auf unwirkliches Essen.

Der nächste Aspekt der Energie ist Rolpa:
Rolpa ist der Aspekt, der sich als inneres Erleben manifestiert. In den Dzogchenlehren wird er durch einen Spiegel symbolisiert. Stellt man einen Gegenstand vor den Spiegel, so erscheint das Spiegelbild. Genauso erscheint die Energie des Individuums als „innerlich“ erlebtes Abbild, das man sehen kann, als sei es im „geistigen Auge“. Manifestiert sich Energie auf der Ebene von Subjekt und Objekt als etwas, das außerhalb von uns ist, dann sprechen wir von Tsal. Manifestiert sie sich innerhalb unserer eigenen Dimension, dann sprechen wir von Rolpa.

Das Beispiel für Rolpa ist die Art, in der ein Spiegelbild im Spiegel erscheint: Wenn sich vor dem Spiegel ein Objekt befindet, dann tritt es nicht in den Spiegel ein, sondern manifestiert sich durch die Potentialität des Spiegels – die Form des Objektes ist im Stande, sich durch diese Potentialität zu manifestieren. Übertragen auf unsere Praxis bedeutet dies, dass es eine Vielzahl verwirklichter Wesen im Universum gibt, die sich in uns manifestieren können. Eben weil wir eine bestimmte Methode anwenden, können sich z.B. Vajrasattva oder Samantabhadra in uns manifestieren. Hierbei entspricht die Methode dem Objekt, dessen Abbild wir in der Kugel oder im Spiegel sehen. Wenden wir also nachdem wir die entsprechende Übertragung erhalten haben, die Methode einer Yidam-Praxis an, etwa Vajrakilaya, an, so treten in der Art und Weise, die als Rolpa bezeichnet wird, diese Manifestationen unserer Energie auf.

Wir sind letztlich wie ein Spiegel: Unser Potential ist unendlich. Und was immer sich daraus manifestiert, ist Rolpa.

Kommen wir jetzt zu dem Aspekt, der als Dang bezeichnet wird:
Dieser Ausdruck schließlich entspricht dem Dharmakaya und bezeichnet die unendliche formlose Energie des Urgrundes und des Individuums, die jede Form annehmen kann. Kurz: „Dang“ bezeichnet das Potential selbst, von dem die ganze Zeit die Rede war, die Energie des Zustandes, der als Rigpa bezeichnet wird, das ursprüngliche Gewahrsein. Das Symbol hierfür ist die Kristallkugel: Sie ist farblos, aber wenn man sie auf eine farbige Fläche legt, dann scheint sie diese Farbe anzunehmen.


Die Klassifikation von Dakinis

Die Energien, die als Dakinis in Erscheinung treten, werden im Buddhismus in verschiedene Klassen unterteilt. Eine grobe Klassifikation ist die in überweltlich und weltlich. Überweltliche Dakinis werden als Weisheitsgöttinnen oder Jñana-Dakinis bezeichnet. Diese Weisheits-Dakinis sind Manifestationen des erwachten Bewusstseins selbst, des Buddha also. Der tibetische Ausdruck für diese Dakinis lautet jigtenle depai khandro, d.h. „jenseits der Welt“ und umfasst vollkommen erleuchtete Dakinis wie die berühmte Simhamukha, die Löwengesichtige, oder Tara.

Ihnen stehen die weltlichen Dakinis, die Karma-Dakinis oder Aktivitäts-Dakinis, gegenüber, die dem Bereich der leidhaften Illusion, Samsara, angehören und keine erleuchteten Wesen sind. Der tibetische Ausdruck lautet hierbei jigten khandro, d.h. weltliche Dakini oder nicht jenseits unserer Vision. Diese Wesen leben und bewegen sich im Bereich der Energie unserer Welt, können sich als Menschen manifestieren oder in einer Form, die dem menschlichen Auge nicht sichtbar ist.

Die weltlichen Dakinis werden nochmals in verschiedene Typen unterteilt, abhängig von der speziellen Art ihrer Aktivitäten. Als besondere Kategorie ist hier die shasa khandro, d.h. „Fleisch essende Dakini“ zu nennen. Diese Dakinis nehmen die Gestalt von Vögeln an, Geier meistens. Sie können aber auch als zaubermächtige Frauen und Männer erscheinen, die sich in einer Art Geistreise als Vögel manifestieren. Dies jedoch nicht im Sinne einer Fantasiereise, sondern sehr real und konkret.

Die wichtigste Rolle der Dakinis im Buddhismus betrifft ihre Verbindung zu den essentiellen Lehren. So können sie zu den Schützern der geheimen Lehren gehören oder selbst solche Lehren bewahren, die sie dann an hoch verwirklichte spirituelle Meister und Meisterinnen weitergeben. Ihre Hauptaufgabe ist also das Schützen und Bewahren der innersten Lehren.

Es heißt, die Dakinis leben in einem eigenen Daseinsbereich, dem Reich der Dakinis, in einer Art Gemeinschaft, die alle spirituellen Ebenen umfasst. Diese Gemeinschaft hat, wie jede andere auch, Regeln. Ein Verstoß gegen die Regeln führt zu entsprechenden Konsequenzen, sei es für einen praktizierenden des Vajrayana-Buddhismus, der sich dem Reich der Dakinis genähert hat, sei es für die Dakinis selbst. Man spricht hierbei von einer „Verurteilung durch die Dakinis“. Wenn ein Praktizierender seine Samayas, d.h. seine Verpflichtungen gegenüber den Lehren und den Trägern der Lehre, verletzt oder sich sehr schlecht benimmt, dann trifft ihn eine entsprechende Bestrafung. Und eine Dakini, die ihre Verpflichtung zum Schutz der Lehren nicht respektiert, wird ebenfalls bestraft und gezwungen, in menschlicher Gestalt wiedergeboren zu werden. Sie sind dann ein Leben lang in dem menschlichen Körper gefangen, unglücklich und gebunden.


Die große Festversammlung und die magischen Aktivitäten

Eine der interessantesten Parallelen zum europäischen Hexenglauben hat sich seit Urzeiten bis in die Gegenwart erhalten: Die nächtliche Festversammlung mit ihrer wilden, chthonischen Symbolik. Zu bestimmten Zeiten versammeln sich die Dakinis und Dakas an den großen Kraftplätzen und auf Friedhöfen, um ein tantrisches Fest zu zelebrieren, die Ganachakra Puja. Gemeinsam mit den schreckenerregenden Matrikas, den großen Herrschern der verschiedenen Klassen machtvoller Wesen und deren Gefolge aus Geistern und Dämonen aller Art eilen sie durch den Himmelsraum herbei und finden sie sich um den großen Heruka oder die Königin der Dakinis zusammen. Dort versammeln sie sich an einem gewaltigen Kessel, der aus einem riesigen Schädel gemacht ist, um zu singen, zu tanzen und bei einem gemeinsamen Festmahl die große Glückseligkeit der letzten Wirklichkeit zu genießen.

Die Details in den Beschreibungen derartiger Versammlungen ähneln z.T. derartig frappierend den spätmittelalterlichen/ frühneuzeitlichen Vorstellungen vom Hexensabbat, dass sich bei einem Vergleich bisweilen die Frage stellt, ob möglicherweise solcherlei Vorstellungen über die alten Handelswege nach Europa gelangt sein mögen? Gab es viellleicht einen entsprechenden Ideentransfer über die Seidenstrasse? Oder mögen die buddhistischen Mongolen einen Einfluss auf die Entwicklung des Hexenbildes europäischer Gelehrter gehabt haben? Dies lässt sich wohl schwer beweisen und entsprechende Untersuchungen gab es bislang dazu nicht. Daher spricht etwa der Indologe und Tibetologe John Reynolds von einem „Archetypus des Nächtlichen“, der in Indien zu einer spirituellen Antiestablishment-Bewegung geführt habe, während er in Europa in den Fantasien der Gelehrten verblieben sei.

Ein wichtiger zum Abschluss noch zu nennender Aspekt im Zusammenhang mit den Dakinis ist etwas, das man in den christlich geprägten Ländern als Magie bezeichnet. Als Ergebnis formeller spiritueller Praxis (Sadhana) stellen sich Siddhis, d.h. spirituelle Errungenschaften oder Verwirklichungen (Hellsichtigkeit, Telepathie u.ä.), und die Fähigkeit ein, sogenannte Karma-Yogas oder Aktivitäts-Praktiken auszuführen. Im Vajrayana werden vier magische Aktivitäten unterschieden, nach denen auch die Dakinis klassifiziert werden:

1. Shantika-Karma oder weiße Magie, das ist die Funktion des Beruhigens oder Befriedens von Umständen und die Heilung. Ein Beispiel für diese Art der Aktivität ist die Praxis der weißen Tara.
2. Paushtika-Karma oder gelbe Magie, die der Vermehrung von Reichtum, Wohlstand, spirituellem Verdienst, Wissen, u.ä. dient.
3. Vashya-Karma oder rote Magie dient dazu, Wesen aller Art zu überwältigen, unter den eigenen Einfluss zu bringen, sie zu magnetisieren und zu behexen etc.
4. Raudra-Karma oder schwarze Magie schließlich dient dazu, Böses und Hindernisse auf dem spirituellen Pfad zu zerstören.

Durch ihre Einheit mit der innersten Natur der Erscheinungswelt wird den Dakas und Dakinis die Fähigkeit zur Verwandlung nachgesagt, wie auch die Kraft, das Wetter zu beeinflussen. Es heißt, sie seien fähig durch die Luft zu fliegen und auf dem Wasser zu gehen, Vergangenes und Zukünftiges zu erkennen und die vier Aktivitäten auszuführen. Magie steht hierbei nicht für etwas unnatürliches, teuflisches, sondern ist vielmehr das Ergebnis einer Entfaltung des natürlichen Potentials eines Individuums, das sich mehr und mehr dem inneren Wesen der Welt und damit seiner selbst annähert: Dem freien, vollkommen reinen Spiel der Energien und Kräfte – dem Tanz der Dakinis.

Gut Ding will immer Weile haben.

Gut Ding nervt deshalb. Na ja, so langsam wird der Blog ja. Aber so langsam!? Und wo bekomme ich bessere Farben her? Das Rot der beiden Seiten ist jedenfalls nicht das Rot, das mir vorschwebt. Außerdem würde ich in die Seiten eigentlich gerne noch was einarbeiten, ein Bild nämlich, und weiß bislang nicht, wie das eigentlich geht.

*ichhabegeduldichhabegeduldichhabegeduld...*

Mutter Weisheit

krodhakaliyq1

Geschmack von Blut
in meinem Mund:
die Süße deines Namens
deine Gegenwart: die Nacht -
sternklarer Abgrund
Wolkenfetzen dein Kleid
dein Atem: Sturm

dein Haus
ein Knochenpalast
im Garten dieser Welt:
Leichengrund
bebend unter
deinem
Tanz

dein Licht:
lodernde Reinheit
läßt Verwesungsblumen
erblühen
deine Füße
Lotos
unberührt von Fäulnis
über die du lächelnd
unaufhaltsam
schreitest -
frei

© Oliver Ohanecian

03zm9

Montag, 28. April 2008

Den Wind zu halten

Den Wind zu halten
die Gestirne zu binden
vom Meer der Fülle
als Einzelnes begehrt zu werden
ist dein Wille -
erwache
und erblicke den leeren Abgrund:
sind Hoffnung und Furcht beendet
schwindet unsere Blindheit
für das Wesen
des Glücks


© Oliver Ohanecian

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